Point Bonita Lighthouse Battery Mendell San Francisco

Point Bonita Lighthouse: Wanderung über geheime Pfade

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Ich liebe Leuchttürme. Das ist der Grund, weshalb ich jetzt im Auto sitze und auf die Golden Gate Bridge zusteuere. Denn heute möchte ich mir das Bonita Point Lighthouse ansehen, das in der Golden Gate Recreation Area gelegen, nicht weit von Sausalito entfernt, über die Pazifikküste wacht. Leuchttürme haben etwas erhabenes, sie faszinieren mich, weil sie so viel gesehen haben – jedenfalls die älteren von ihnen. Sie sind Geschichte und außerdem kann man sich Geschichten über sie ausdenken, spannende Geschichten. Deshalb und weil ich so gerne am Meer bin, besuche ich so viele Leuchttürme wie möglich. Das Point Bonita Lighthouse wird das nächste sein.

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Die Geschichte des Point Bonita Lighthouse

Mit der Entdeckung des Goldes im 19. Jahrhundert in Kalifornien änderte sich für San Francisco alles. Der Hafen der Stadt entwickelte sich schnell zu einem der Anlaufpunkte für Goldsucher und Glücksritter, die Bevölkerung der Stadt explodierte bald von neunhundert auf zwanzigtausend. Um all die neuen Seelen sicher in die Stadt zu geleiten, wurde ein System von Leuchttürmen installiert, zu dem auch das Point Bonita Lighthouse gehörte. Damit wurde der Leuchtturm zum dritten an der Westküste, der 1855 fertiggestellt worden ist. Trotz aller Bemühungen liefen aber doch circa dreihundert Schiffe auf Grund; das schlimmste maritime Unglück ereignete sich 1901, als die City of Rio de Janeiro mit 128 Menschen an Bord sank.

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Der Leuchtturm heute

Heute gehört das Point Bonita Lighthouse zu einem der größten Nationalparks der USA, der Golden Gate National Recreation Area. Das Besondere an ihm ist, dass er immer noch in Benutzung ist und außerdem besichtigt werden kann. Und genau das möchte ich heute auch tun.
Die großen roten Mittelstücke der Golden Gate Bridge ziehen über meinen Kopf hinweg, während ich die Brücke überquere. Dass ich einmal hier sein und auf einer der berühmtesten Brücken der Welt in Richtung Hinterland fahren würde, damit hätte ich nie gerechnet. Der Blick über die Bucht ist schon von hier aus atemberaubend, von der Felsenspitze, auf der der Turm steht, werde ich die Stadt aber sicher noch besser im Blick haben, immerhin kehre ich ihr dann nicht den Rücken.

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Über gewundene Wege zum schönsten Blick über das Golden Gate

Gute zwanzig Minuten später parke ich das Auto und mache mich zu Fuß auf den Weg. Es geht entlang der Pazifikküste, immer bergab. Den Leuchtturm sehe ich zwar noch nicht, dafür ist – wie gedacht – die Aussicht auf San Francisco unglaublich.
Die Wanderroute erstreckt sich vor mir und ich folge ihr. An ihrem Ende sehe ich von dort, wo ich jetzt stehe, die Tür, die mich durch den Berg zum Leuchtturm führen wird. Denn um zum Point Bonita Lighthouse zu gelangen, muss ich einen Tunnel durchqueren.

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Ich genieße den Weg, den frischen Seewind, der um meine Nase weht, bis ich schließlich vor der Tür stehe. Und stehen bleibe. Denn sie ist verschlossen. Auch mehrmaliges Ruckeln bringt nichts, der Leuchtturm scheint heute geschlossen zu sein.

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Etwas enttäuscht mache ich mich auf den Rückweg und denke darüber nach, wie ich ihn doch noch zu Gesicht bekommen könnte. Über den Weg, den ich gekommen bin, ist das nicht möglich, aber als ich wieder am Ausgangspunkt angekommen bin, entdecke ich etwas, das ich vorher nicht gesehen habe: Eine alte Militäranlage, die etwas versteckt abseits des Parkplatzes liegt. Ich steige hinauf und sehe mich um. Die Aufgabe des Militärstützpunktes war es ursprünglich, mögliche Angreifer von San Francisco fernzuhalten, zu dem Fall aller Fälle kam es aber nie. Teile der Anlage wurden bereits wieder restauriert, andere sind immer noch dem Verfall preisgegeben.
Ich laufe über das Gebiet, das mit Hinweistafeln über die Geschichte des Ortes ausgestattet ist und suche nach einer Möglichkeit, mich wieder dem Leuchtturm zu nähren. Und nach einer Weile finde ich diese Möglichkeit tatsächlich. Das Problem ist: Sie führt direkt an der Steilküste entlang.

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Ausgetretene Pfade

Ich zögere einen Augenblick, dann werfe ich meine Höhenangst über Bord und folge den ausgetretenen Schleichpfaden, die direkt an der Pazifikküste entlangführen – weg von der Militäranlage, aber in Richtung des Leuchtturms. Ich klettere über Wurzeln und stolpere fast über einen alten Maschendrahtzaun, der ein Stück weit aus der Erde guckt. Dann bin ich da: Auf dem verlassenen Teil des Geländes.

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Ich drehe mich einmal um die eigene Achse: Die Gebäude sind voller Graffiti und die Erosion hat deutliche Spuren an ihnen hinterlassen. Das Beste ist aber das, was ich sehe, als ich von dem Plateau springe, auf dem ich stehe, und einer Grassenke nach oben folge: Das Point Bonita Lighthouse. Es liegt direkt vor mir, zwar weit entfernt, aber deutlich sichtbar. Ich muss unwillkürlich lächeln, setze mich und genieße den Ausblick. Manchmal sind die Alternativen, die man findet, eben doch besser als der Weg, den man eigentlich gehen wollte.

Point Bonita Lighthouse California

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AnnaMatthiasLena Recent comment authors
Lena
Lena

Eine tolle Wanderung! Diese Aussicht ist wunderschön! Sollte ich irgendwann einmal nach Kalifornien kommen, werde ich diese Wanderung auf jeden Fall machen. :)

Lena

Matthias
Matthias

Wow! Die Bilder sind echt klasse. Toller Artikel!