Zion National Park

Wandern im Zion National Park

Von roten Felsen und smaragdenen Tümpeln

Ich werde von den ersten Sonnenstrahlen geweckt, die durch die Souterrain Fenster in das Zimmer hinein sickern. Am liebsten würde ich mich noch einmal umdrehen, denn die Nacht in Las Vegas ist trotz des typisch amerikanisch riesigen Bettes nicht besonders erholsam gewesen. Für gemütliches Ausschlafen ist heute allerdings keine Zeit, deshalb rappele ich mich auf und werfe dem Wecker einen genervten Blick zu. Dann springe (ja, springe – die Betten sind sowas von hoch) ich vom Bett und trotte ins Bad.
Eine halbe Stunde später haben wir die Tür des Hauses hinter uns zugezogen und befinden uns auf der Straße. Das noch verschlafene Las Vegas, in dem gerade in den ersten Dinern Speck und Eier angebraten werden, liegt schon viele Kilometer hinter uns. Denn wir wollen pünktlich beim Zion National Park ankommen, um mehr als nur einen Trail wandern zu können.

Das Wetter ist, wie schon die ganze Reise über, wunderschön. Strahlend blauer Himmel, Sonne satt und das obwohl es in diesem Teil Utahs nachts im März noch recht kühl ist.
Nach 257 Kilometern erreichen wir Zion, finden auf Anhieb einen Parkplatz und müssen dank unseres America The Beautiful Annual Passes auch nicht anstehen. Der Park ist trotz der frühen Stunde schon gut besucht und nachdem wir im Visitor Center vorbeigeschaut haben, steht unsere Entscheidung fest: Wir wollen die Emerald Pool Trails sowie den Grotto Trail wandern.

The Grotto Trail

Zum Aufwärmen wollen wir erst einmal den Grotto Trail laufen, der mit ungefähr 1 ½ Kilometern dafür perfekt geeignet ist. Mit meiner Resterkältung sind große Sprünge wie der Angels Landing Trail leider nicht möglich und so machen wir uns von Zion unser erstes Bild, indem wir den Windungen des Grotto Trails folgen. Im Schatten ist es noch frisch, weswegen ich bald über meine mitgebrachte Regenjacke froh bin, die den Wind gut abhält.

So kurz der Grotto Trail auch ist: Man hat trotzdem einen wunderbaren Blick über das Tal, das von hohen Gipfeln umschlossen halb in der Sonne daliegt. Ich stelle mir vor, wie es hier wohl ausgesehen haben mag, bevor die Europäer das Land für sich beansprucht haben, wie die Eingeborenen gelebt haben, welche Geschichten sie sich erzählt haben. Denn die Besiedlung durch Menschen ist hier schon seit 6000 v. Chr. nachzuweisen – eine beeindruckende Zahl, die mich als Historikern wahrscheinlich noch viel mehr interessiert als viele andere.

Die Anasazi waren die ersten Indianer, die das Gebiet für sich entdeckten. Zusammen mit den später auftauchenden Fremont People trieben sie Handel, lebten aber ansonsten voneinander getrennt. Beide Kulturen verließen das Gebiet rund um den heutigen Zion National Park dann aber aus bisher unbekannten Gründen. Erst später besiedelten die Paiute Indianer die Gegend wieder. Sie entwickelten starke religiöse Anleihen gegenüber der Natur des Zion Canyon und waren davon überzeugt, dass sie für ihre Heimat eine gewisse Verantwortung besaßen.

Emerald Pool Trails

Unsere zweite Wanderung schließen wir – warmgelaufen und neugierig auf mehr – direkt an den Grotto Trail an. Wir nehmen uns die Emerald Pool Trails vor, zu denen der Upper und Lower Trail gehört. Inzwischen ist im Park deutlich mehr los, weswegen wir uns den Weg mit vielen Familien und anderen Wanderern teilen.

Wir starten mit dem leichteren Lower Trail und bewundern die Wasserfälle, die sich nach einiger Zeit vor uns auftun. In einem Halbkreis gehen wir hinter dem Wasser entlang, ich muss dabei aufpassen, dass meine Kamera nicht nass wird. Irgendwann erreichen wir die Abzweigung, bei der wir uns entscheiden müssen: Wollen wir weiter über den Lower Trail wandern, oder von hier aus weiter über den Upper Trail gehen?

Wir beschließen den schwierigeren Teil zu nehmen und biegen auf den Upper Trail ein. Der Weg geht nun deutlich steiler bergauf und an vielen Stellen müssen wir über Felsen und umgestürzte Bäume klettern. Meine Resterkältung macht es mir schwer und ich brauche immer wieder Pausen für Kletterpartien, die ich gesund ohne Probleme gemeistert hätte.

Versteckt hinter einer Biegung: Das Ende der Wanderung

Sind uns auf dem Lower Trail noch viele Menschen begegnet, sehen wir hier nur ein paar. Manchmal bin ich mir sogar nicht mal mehr sicher, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Dann sehen wir eine ältere Frau auf einem der Steine sitzen, sie wirkt erschöpft. Wir fragen, ob alles in Ordnung ist und sie winkt nur lächelnd ab: Ihr Mann und ihre Enkel sind den restlichen Weg zu den Pools allein gegangen, sie warte hier nur. Es sei auch nicht mehr weit, verspricht sie uns und deutet in die Richtung, in der sich mehrere Felsen aufschichten.

Wir klettern also weiter bis es nach einer Biegung nur noch bergab geht. Nach einem schmalen Pass tut sich schließlich das Ziel der Wanderung vor uns auf: Die Emerald Pools. Durch die fehlende Sonne wirken sie zwar nicht grün, aber wunderschön ist es trotzdem.

Wir verweilen einen Augenblick, leeren unsere Wasserflaschen und beobachten ein Eichhörnchen, das abseits der Menschen aus dem Wasser der Emerald Pools trinkt. Dann machen wir uns auf den Rückweg und verabschieden uns nach einem anstrengenden Tag vom Zion Park. Das nächste Mal ohne Erkältung werden mit Sicherheit auch noch andere Wanderwege erkundet.

Zurückgelegte Strecke Las Vegas – Zion Nationalpark – La Verkin: 290 Km
Insgesamt unterwegs ~11 Stunden, davon 4 Autostunden
Nächste Übernachtungsmöglichkeit La Verkin via AirBnB

Wer von euch hat genau wie ich dem Zion National Park einen Besuch abgestattet? Welchen Trail fandet ihr am schönsten? Ich wäre wirklich gerne rauf zum Angels Landing gelaufen, allerdings war es die richtige Entscheidung das mit meiner Erkältung bleiben zu lassen.

  1. Toll wie schnell man aus dem glitzernden Las Vegas inmitten spektakulärer Natur sein kann! Ich war zwar leider noch nie in dieser Gegend aber der Kontrast macht für mich irgendwie den größten Reiz aus 🙂

  2. Oh wow, das sind so mega schöne Eindrücke!

  3. Pingback: 50 Dinge, die du an der Westcoast der USA nicht verpassen darfst - Die Gradwanderung

  4. Cool, dass ihr auch dort wandern gewesen seid 🙂
    Wir waren bei Angels Landing, das ist das letzte Stückchen hoch ziemlich gruselig. Irgendwie sind die Amerikaner da echt sehr abgebrüht, auch im Yosemite war ich über so viel Leichtsicht relativ erstaunt. Aber die Aussicht ist fantastisch. Dennoch ist die Angst, zu stürzen doch relativ groß (und man sah es den entgegenkommenden Leuten an dass sie auch Angst hatten).
    Davor waren wir noch im Fluss wandern – das war eine ziemlich lustige und kalte Angelegenheit, aber wunderbare Natur im Canyon. Hab dazu auch einen Blogpost geschrieben, falls es dich interessiert, kannst du ja vorbeischauen.
    lg Sabi von smilesfromabroad 🙂

    • Ja, das war einer der Gründe, wieso ich nicht zum Angeles Landing wollte. Da kam mir die Erkältung nur recht; mit der hätte ich es nämlich definitiv auch ohne Höhenangst nicht da hoch geschafft.

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