Blick durch das Schlüsselloch auf dem Aventin.

Wie ich in Rom die Visitenkarte einer Nonne bekam

Die Sonne knallt vom Himmel und ich schüttle den letzten Wassertropfen aus der Flasche. Es ist August in Rom und verdammt heiß. Das wusste ich natürlich schon bevor ich den Flug gebucht hatte, denn ich wollte endlich ein bisschen Sommer haben – ohne Regen und Windböen der Stärke acht. Deshalb sage ich auch nichts, beschwere mich nicht und schleppe mich weiter tapfer an der Straße entlang in Richtung Aventin, schließlich soll es hier irgendwo sein: Das Schlüsselloch, durch das man den Petersdom sehen kann.

Frozen Yoghurt zur Stärkung

Die Straße wirkt endlos, die Orientierung habe ich schon lange verloren. Ich zähle die Steine, über die ich laufe, spüre die Sonne auf meiner Haut brennen und bin froh um jeden Meter, den ich voran komme. Plötzlich streichelt ein kühler Hauch über meinen Arm, ich blicke auf und sehe meine Rettung: Einen Eisladen.
Ich denke keine Sekunde länger nach und bestelle drei Sorten im Becher. Der Laden ist klimatisiert, was gleichzusetzen ist mit dem Paradies auf Erden, der Frozen Yoghurt schmeckt himmlisch leicht und nach natürlichen Aromen. Gestärkt und mit einer detaillierten Wegbeschreibung im Gepäck, mache ich mich wieder auf den Weg. Den Großteil der Strecke habe ich schon geschafft, jetzt muss ich nur noch den Hügel erklimmen.

Palmen, Grillen und ein Schlüsselloch

Ich laufe durch ein Wohngebiet, niemand kommt mir entgegen. Es ist wie ausgestorben, keine Menschenseele ist zu entdecken. Es ist zwar immer noch sehr warm, aber der Schatten der sich im leichten Wind wiegenden Palmen macht den Aufgang leichter. Schließlich nähere ich mich einem Wendehammer, außer mehreren Toren und vielen Mauern ist nichts zu sehen. Ein fahrbarer Wasserstand sagt mir aber, dass ich so falsch nicht sein kann.
Ich schaue mich um und suche nach der grünen Tür, hinter der sich des Ausblick verbergen soll. So einfach ist das gar nicht, denn die Römer scheinen eine Vorliebe für grüne Tore zu haben. Außerdem weist mir keine Touristenschlange den Weg.
Ich gehe die Tore ab, komme mir ein bisschen komisch vor, während ich durch die Schlüssellöcher spähe. Schließlich finde ich es doch noch, stelle meine leere Flasche auf dem Boden ab und schaue hindurch.

Der Petersdom im Garten des Malteserordens

Überrascht atme ich ein, denn ich schaue direkt auf den Petersdom. Es scheint fast so, als stünde er direkt vor mir, zum Greifen nahe, eingerahmt von grünen Hecken, die die optische Täuschung perfekt machen.
Ein Foto von dem kleinen Geheimnis hinter dem Tor zu machen, stellt sich dann aber als schwieriger heraus als gedacht. Vielleicht will das Schlüsselloch sein Geheimnis gar nicht preisgeben, dennoch probiere ich es. Inzwischen sind andere Touristen, unter ihnen zwei Nonnen, angekommen und scheitern bei ihren Versuchen, den Garten und den Petersdom mit ihren Handy Kameras einzufangen. Auch ich muss einige Einstellungen durchgehen, bevor ich mit dem manuellen Fokus meiner Spiegelreflex die perfekte Mischung finde.

„Come professionale!“

Während ich mir meine Fotos ansehe, tippt mir plötzlich jemand von hinten auf die Schulter. Ich drehe mich um und sehe eine der beiden Nonnen vor mir stehen. Sie ist so klein, dass ich mich zu ihr hinunterbeugen muss. Sie deutet auf meine Kamera und ein Schwall italienischer Worte überfällt mich hinterrücks. Ich habe zwar an der Uni einmal zwei Jahre Italienisch gelernt, ihr Sprechtempo ist mir dann aber doch zu krass.
Mit Händen und Füßen verständigen wir uns, bis ich mitbekommen habe, was sie von mir möchte. Dann zeige ich ihr die Fotos, die ich von dem Garten hinter dem Schlüsselloch gemacht habe. Ihre Augen fangen an zu strahlen, als sie den Petersdom sieht, und sie zieht eine Karte aus ihrer Schürze hervor. Darauf steht ihr Name und die E-Mail Adresse ihres Konvents. Mir ist klar, dass sie gerne eines der Bilder hätte, und ich verspreche ihr in einem wilden Mix aus Englisch, Italienisch und Spanisch, dass ich es ihr schicken werde.

Im Orangen Garten

Wir verabschieden uns und ich laufe weiter, bis ich endlich eine Gelegenheit entdecke, meine Flasche aufzufüllen: Einen Orangen Garten, der neben einem wunderbar kühlen Brunnen auch jede Menge Parkbänke und den perfekten Ausblick über Rom bereit hält.
Ich lege mich auf eine der Bänke, schieße die Augen und lausche den zirpenden Grillen. In meiner Tasche spüre ich die Visitenkarte und muss unwillkürlich lächeln: Wer hätte gedacht, dass ich jemals einer katholischen Nonne helfen würde? Reisen verbindet eben doch – ganz egal, woher man kommt oder wohin man geht.

Aufruf zur Blogparade!

Diese Begegnung war für mich eine ganz besondere und genau solche Treffen machen das Reisen für mich aus.

Jetzt möchte ich euch fragen, welche Begegnung auf Reisen eure besonderste war? Was ist euch im Kopf geblieben, was werdet ihr nie vergessen? Das muss nicht unbedingt positiv sein, sondern kann auch ein negatives Erlebenis gewesen sein.

So machst du bei der Blogparade mit

Wenn du an meiner Blogparade zum Thema „Meine besonderen Begegnungen auf Reisen“ teilnehmen möchtest, schreibe bis zum 20. November 2016 einen Artikel auf deinem Blog, in dem du auf diesen Beitrag verlinkst.
Anschließend hinterlässt du mir einen Kommentar unter diesem Beitrag mit dem Link zu deinem Artikel, damit ich keinen Beitrag übersehe. Alle Beiträge zur Blogparade sammle ich unter diesem Artikel, damit du dir auch die anderen Teilnehmer Beiträge anschauen kannst. Wer die Blogparade noch über seine Social Media Kanäle ein bisschen bekannter machen möchte, der ist dazu natürlich auch herzlich eingeladen! 🙂

Wie du an das Thema herangehst, bleibt ganz dir überlassen. Falls du keinen Blog besitzt, schreibe mir doch einfach deine besondere Reisebegegnung hier in die Kommentarspalte. Auch wenn du schon einen älteren Beitrag zu meiner Frage hast, kannst du diesen gerne einreichen.

Ich freue mich auf eure Beiträge!

Teilnehmer

  1. Hihi, das ist ja lustig, ich wette die Nonne freut sich sehr, wenn dein Foto bei ihr ankommt! Tolle Bilder, es sieht aus, als wäre keine Menschenseele unterwegs 🙂 LG Christina

  2. Ich war echt gespannt auf die Auflösung und wurde nicht enttäuscht 🙂 Tolle Geschichte und super Fotos! Die Begegnung kann ich mir bildlich vorstellen.
    Liebe Grüße, Nicole

    • Dankeschön. 🙂 Manchmal führt das Reisen zu Begegnungen, die man sonst nie gemacht hätte. Aber das ist auch das schöne daran, finde ich.

  3. Total süß. Da geht einem echt das Herz auf 🙂

  4. Oh was für eine schöne Geschichte! Da hast du aber einige Karma-Punkte gesammelt 😉
    Für uns geht es nächstes Jahr für ein paar Tage nach Rom und ich freue mich schon sehr. Schön, dass es auch in der Hauptreisezeit noch ein paar touristenarme Gegenden gibt.
    LG Annika

    • Das hat mich auch gewundert, dass es da oben so leer war. Aber ich denke, man muss nur suchen, dann findet man auch in Rom ein paar Ecken, die noch still und gemütlich sind. 🙂

  5. Eine zauberhafte Begegnung. Und das Bild ist auch etwas ganz besonderes…

  6. Pingback: Audienz beim Herzog von Jordanien | Reisenomadin

  7. Hallo Anna, schönes Thema und meine Audienz beim Herzog von Jordanien passt, finde ich, perfekt dazu. Link ist gesetzt, ich freue mich, dabei zu sein 🙂 http://reisenomadin.de/naher-osten/audienz-beim-herzog-von-jordanien/

  8. Pingback: Begegnungen #4 – Wie wir an einem Tag den Glauben an die Menschheit verloren und wiederfanden | wandernd

  9. Ich hab ja eine ganze Kategorie auf meine Blog – allerdings enthält die bisher erst vier Beiträge 🙂

    Mit diesem hier würde ich gerne teilnehmen 🙂

    „Wie wir an einem Tag den Glauben an die Menschheit verloren und wiederfanden“
    http://wp.me/p5mk8r-uo

  10. Eine besonders nachhaltige Begegnung hatte ich in Kayamandi, einem Township im südafrikanischen Stellenbosch. Darüber habe ich in diesem Artikel geschrieben: http://www.delicioustravel.de/kayamandi/

  11. Pingback: Uruguay Weihnachten – ein Weihnachtsfest mit Knalleffekt

  12. Da muss ich doch mal mitmachen. Wusstet ihr, dass Weihnachten bei Weitem nicht überall ein Fest der Besinnung, der Ruhe und des Friedens ist? Wer war schon mal am 24. in Uruguay? Lasst euch überraschen. Weihnachtsbräuche gibts dort. Unglaublich. http://www.uruguay-erleben.de/uruguay-weihnachten-ein-weihnachtsfest-mit-knalleffekt/

  13. Pingback: Warum ich nicht auf Airbnb verzichte | Tips4Travellers

  14. Hallo Anna,
    eine sehr schöne Idee, an der ich mich gerne beteilige. In meinem Beitrag geht es nicht um die eine Begegnung, sondern um die vielen kleinen Begegnungen, die meine Reisen immer wieder zu etwas ganz besonderem gemacht haben: http://tips4travellers.de/kreuz-quer/warum-ich-nicht-auf-airbnb-verzichte/
    LG
    Katharina

  15. Pingback: Storytelling-Monatsrückblick September - Bezirzt

  16. Pingback: Funkloch | Eine geheimnisvolle Begebenheit. | Japan #asientrip - Funkloch

  17. Coole Idee, Anna!
    Meine liebste Reisebegegnung hatte ich in Japan. Ich traf damals einen alten Japaner mit einer geheimnisvollen Schatzkarte. Jahre später hat mir das Erlebnis immer noch so gut gefallen, dass ich es als von einem Sprecher vorlesen ließ.

    Hör mal hier rein: http://www.funkloch.me/eine-geheimnisvolle-begebenheit-japan-asientrip/

    Beste Grüße, Steven

  18. Pingback: zuFussunterwegs Von unerwarteten Begegnungen am Baikalsee - zuFussunterwegs

  19. Hallo Anna,

    ich habe Deinen Rom-Nonnen-Bericht mit Freude gelesen. Wunderbar, dass Du da auch gleich eine Blogparade daraus gemacht hast.

    Ich habe gerne mitgemacht!

    http://www.zufussunterwegs.com/unerwartete-begegnungen-baikalsee/

    Fussige Grüsse, Jana

  20. Bei mir gibt’s eine tierische Begegnung in Südafrika:
    https://reisespatz.de/mein-schoenster-reisemoment/
    Liebe Grüße,
    Sabine

  21. Nette Geschichte! Ich liebe solche Begegnungen! Eine meiner schönsten Begegnungen hatte ich mal in Glasgow, mit einem Highlander … http://www.freibeuter-reisen.org/der-highlander-oder-ein-taenzchen-in-glasgow/

  22. Gerade erst entdeckt – aber gerade noch innerhalb des Zeitfensters. Dazu habe ich aus Zufall gerade an einem Artikel zu dem Thema gesessen – auch wenn das mal eine Begegnung war, die nicht weit entfernt stattgefunden hat. Manchmal findet man sowas auch ganz in der Nähe. 😉

    Lange Rede, kurzer Sinn – hier der Link zu meinem Beitrag zu dem Thema: http://wanderlust.team/2016/11/begegnungen-eine-aeltere-dame-aus-dem-westerwald/

  23. Pingback: Begegnung mit einem Fremden in Seoul | Work and Travel und Backpacking

  24. Hallo Anna,
    jetzt habe ich es gerade noch geschafft einen Beitrag für deine tolle Blogparade zu schreiben. Dabei geht es um eine ganz besondere Begegnung in Seoul in Südkorea: http://blog.workntravel.info/begegnung-mit-einem-fremden-in-seoul/
    LG Johanna

  25. Pingback: Avurudu: Neujahr in Sri Lanka - Reiseblog Yummy Travel

  26. Ich bin dann Last-Minute auch noch dabei!

    Hier mein Artikel zu einer sehr tollen Begegnung und Freundschaft die in Sri Lanka entstand.

    http://yummytravel.de/avurudu-in-sri-lanka

    Liebe Grüße
    Jessica

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