Antelope Canyon

Antelope Canyon: Americas Beauty

Zu Gast im Reich der Navajo

Es ist verdammt früh. Und wenn ich sage verdammt früh, dann meine ich das auch. Um sechs sind wir aus dem Bett in LaVerkin gefallen, nur um ohne Frühstück direkt in unser gut durchgekühltes Auto zu steigen.
Heute ist der zweite richtige Tag unseres Westküsten Roadtrips und wir sind gespannt wie verrückt – auf die Nationalparks, die Wüste, den Canyon, einfach alles.
Die Hitze von Las Vegas und dem Death Valley gewöhnt fröstele ich am frühen Morgen und mache die Heizung des Wagens an. Von hier aus sind es einige Meilen bis zu unserem heutigen Ziel: Dem Antelope Canyon.

Lichttänze im Canyon

Dieser Canyon stand von Anfang an auf meiner „Das musst du unbedingt sehen“-Liste, denn er ist nicht nur berühmt für seinen wunderbaren roten Stein, der aussieht, als hätte der Wind ihn geformt, sondern auch für seine Lichttänze.
Klingt esoterisch? Ist es aber nicht; vielmehr handelt es sich hierbei um ein Naturschauspiel der ganz besonderen Art und ich wollte es unbedingt miterleben.
Es ist kurz vor zwölf als wir auf den Parkplatz rollen, der uns zum Antelope Canyon bringen soll. Hierher zu finden war nicht ganz einfach, denn unser Navi hatte uns nachdem wir Page erreicht hatten diesbezüglich schmerzlich im Stich gelassen. Gott sei Dank sind die Amerikaner so hilfsbereit und haben uns mit vielen Tipps zur Seite gestanden.
Der rote Staub wirbelt auf, als ich meinen Fuß auf den Boden setze. Ein kleiner Container, überspannt mit etwas das wie Segeltuch aussieht, steht in einiger Entfernung. Vor ihm sitzen mehrere Personen, eine davon tippt wie wild auf ihrem Smartphone herum.

Kreditkartenzahlung mitten im amerikanischen Hinterland

Wir scheinen richtig zu sein, auch wenn mir die ganze Segeltuchkonstruktion etwas windschief erscheint und mir beim Gedanken daran, hier meine Kreditkartenangaben hinterlegen zu müssen, etwas mulmig wird. Aber gebucht ist gebucht und ich will den Canyon sehen, also setze ich mich entschlossen in Bewegung.
Schon nach wenigen Metern sind meine Schuhe vollkommen mit Staub überzogen, während wir uns dem Unterstand nähern. In einiger Entfernung nähern sich einige Jeeps – offenbar die letzte Führung, die gerade aus dem Canyon zurückkommt.
Wir lösen unseren Voucher ein und dann geht alles ganz schnell: Die Jeep Türen öffnen sich, Touristen springen hinaus und unsere Namen werden genannt. Meiner scheint ein Zungenbrecher zu sein, denn nach drei Versuchen schaut der Mitarbeit der Antelope Canyon Navajo Tours etwas ratlos in die Menge. Nach einem weiteren Anlauf stoße ich als Letzte zur Gruppe und klettere in den Jeep.

Abenteuer voraus!

Unser Guide erklärt uns durch die noch geöffnete Heckluke, dass es gleich etwas holprig werden kann. Wir sollen uns gut festhalten und einen Schal oder unsere Jacken über Mund und Nase halten, wenn der Staub in der Luft zu stark werden sollte. Wir nicken und er knallt die Tür zu. Auf geht’s!
Der Guide hat nicht gelogen: Zwar ist das Gelände nicht halb so uneben, wie ich es gerne gehabt hätte, der Staub allerdings macht allen zu schaffen. Ich verpacke die Kamera gerade noch rechtzeitig in meine Jacke und halte mir ein Stück meines T-Shirts vor Mund und Nase.
Wir schießen über die rote Sandpiste und ich muss unwillkürlich an Australien denken: Ganz genau so hat es dort auch ausgehen. Ich erinnere mich an meinen Roadtrip durch das rote Land, an endlose Busfahrten, Kängurus und den Uluru. Dann hüpft der Jeep über die nächste Unebenheit und ich bin wieder im Hier und Jetzt.

Treibholz in der Wüste

Nach zwei weiteren Biegungen haben wir den Canyon erreicht. Etwas durchgeschüttelt steigen wir aus, sortieren unsere Kameras und folgen unserem Guide, der schon zielstrebig auf den Eingang zum Canyon zuhält. Kurz davor bleiben wir stehen und er erzählt uns etwas über die Geschichte des Antelope Canyons. Zunächst einmal gibt es den Upper und den Lower Antelope Canyon, beide sind sogenannte Slot Canyons. Wir stehen in Ersterem.
Wieso das Gestein so geschwungen aussieht, will ein älterer Mann aus unserer Gruppe wissen. Unser Guide erklärt, dass der Canyon über die Zeit hinweg durch die Fluten ausgewaschen worden sei, die hier regelmäßig durchspülen. Er deutet dabei auf einen ziemlich großen Ast, der sich direkt über meinem Kopf zwischen dem Gestein verkeilt hat.

Diese Fluten, erzählt er, seien für alle Besucher des Upper und Lower Antelope Canyons sehr gefährlich. Denn das Wasser kann innerhalb von Minuten so hochsteigen, sodass Besuchern nur sehr wenig Zeit bleibe, den Canyon sicher wieder zu verlassen. Deshalb sei der Lower Canyon auch gefährlicher als dieser hier, weil er steiler in die Tiefe führe.
Zwei Frauen aus meiner Gruppe schauen sich beunruhigt um, deshalb beschwichtigt unser Guide sofort: Man würde immer nach dem zu erwartenden Wetter schauen und er würde sich persönlich dafür verbürgen, dass wir heute keinerlei Gefahr ausgesetzt seien. Sollte eine bestehen, wäre der Canyon gar nicht offen.

Tanzender Staub im Lichtstrahl

Schließlich betreten wir den Canyon und ich bin fasziniert von der Farbvielfalt und den Formen, die Wasser und Wind dem Gestein über die Jahre hinweg abgerungen haben. Dann geht ein Raunen durch die Menge, mehrere Zeigefinger deuten nach vorne: Unser erster Lightbeam malt einen hellen Kreis auf den roten Staub des Canyons. Staub tanzt im Lichtstrahl und malt verschlungene Muster in die Luft. Es ist wunderschön, atemberaubend – bis mir ein Mann sein Stativ in den Fuß rammt.

Zerstörungswut in Stein gemeißelt

Wir laufen einmal durch den ganzen Upper Canyon; ich bin erstaunt, wie klein er ist, denn trotz der vielen Windungen und Biegungen und der Menschenmengen sind wir schnell am hinteren Ende angekommen. Dort sonnt sich ein Reptil auf einem der Steine und lässt sich auch von unseren neugierigen Fragen zur Bedeutung des Canyons für die Ureinwohner nicht vertreiben.

Zurück im Jeep frage ich mich, wie der Canyon wohl aussehen würde, wenn nicht jedes Jahr tausende Touristen durch ihn hindurch trampeln würden. Die Navajo versuchen ihn zwar zu schützen, einige haben es aber anscheinend trotzdem für nötig gehalten, ihre Namen in den Stein zu ritzen. Hätte ich deshalb auf den Besuch des Canyons verzichten sollen?
Ich entscheide mich für nein, denn auch wenn ich der 1001 Tourist bin, der durch den Canyon läuft, habe ich doch die Hoffnung, dass mein Eintrittsgeld in die richtigen Kanäle geleitet wird, um dieses einzigartige Naturwunder zu erhalten. Denn auch wenn der Spruch vielleicht ausgelutscht sein mag, finde ich ihn gerade für den Antelope Canyon doch passend: Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints.

Zurückgelegte Strecke La Verkin – Antelope Canyon – Flagstaff: 448 Km
Insgesamt unterwegs ~11 Stunden, davon 5 Autostunden
Nächste Übernachtungsmöglichkeit Flagstaff via AirBnB

  1. Wow, geniale Fotos 🙂

  2. Hallo Anna,
    immer wenn ich Fotos vom Antelope Canyon sehe weiß ich, dass ich da irgendwann nochmal hin muss. Wahnsinnig schön! Das bestätigen auch deine Bilder. 🙂
    Traurig, dass es auch dort dumme Menschen gibt, die dieses Naturphänomen missachten und die Felsen einritzen. Ich hoffe sehr, dass diese Unsitte nicht weiter zunimmt.

    • Der Canyon ist wirklich wunderschön. Leider war ich nur im Upper Canyon unterwegs, der Lower wäre bestimmt auch eine Erfahrung gewesen.
      Solche Leute gibt es ja leider bei jeder Gelegenheit – selbst auf dem Petersdom habe ich sowas gesehen…

  3. Hallo Anna,

    deine Bilder sind wirklich wunderschön! (Der Text ist übrigens auch richtig gut geschrieben 😉
    Besonders die mit den Sonnenstrahlen finde ich wirklich unglaublich faszinierend 🙂 Der Canyon steht auch noch auf meiner Bucket List, mal sehen wann ich meine eigenen Sonnenstrahlen fotografieren kann…
    LG, Julia

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