Large Hadron Collider

Untertage beim Large Hadron Collider

Der Reisebericht einer Geisteswissenschaftlerin

Vorweg sei gesagt: Ich bin keine Physikerin und werde das auch nie sein. Ich studiere zwei wunderbare Geisteswissenschaften und bin damit absolut zufrieden. Trotzdem gibt es Dinge, die man auch als Geisteswissenschaftler an den Naturwissenschaften richtig interessant finden kann. Der LHC ist so eine Sache. 2013 habe ich deshalb die für mich einmalige Chance ergriffen und bin zum CERN, das in der Nähe von Genf in der Schweiz liegt, gefahren. Dort durfte ich mir den Teilchenbeschleuniger ansehen.

Es begann an einem verflixt kalten Tag. Und mit verflixt kalt meine ich wirklich sehr kalt. Schon der Flug über die Alpen ließ Schnee vermuten und als ich am Genfer Flughafen gelandet war, wurde ich von dunklen Wolken und einem eisigen Wind begrüßt.
In der Stadt hingen überall vorweihnachtliche Lichterketten und trotz der Kälte war ich fasziniert von der schweizerischen Gemütlichkeit. Bei einem Bummel durch die nächtlichen Straßen blieb ich bei gefühlt jedem Schokoladen Geschäft stehen und überlegte ernsthaft einen von diesen riesigen Schoko Kesseln in mein Handgepäck zu schmuggeln – Notreserve für den Rückflug sozusagen. Beim Blick über den Genfer See freute ich mich aber mindestens ebenso sehr auf den nächsten Tag, denn dann sollte ich das CERN, die europäische Organisation für Kernforschung, endlich kennenlernen. Ich hatte mich schon lange auf den Besuch gefreut und war gespannt auf das Kernstück der Anlage: Den Large Hadron Collider, auch einfach LHC genannt.

Bevor ich dieses Wunderwerk der Technik von nahem bestaunen durfte, wurde mir allerdings erst einmal die Anlage an sich gezeigt und auch über andere Projekte, wie die Detektoren ATLAS oder CMS, die in Zusammenhang mit dem LHC stehen, gesprochen.

Als ich dann aber in dem Aufzug stand, der so schnell so tief nach unten fuhr, dass ich Druck auf den Ohren bekam, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich ihn tatsächlich gleich sehen würde. Vorher hatte ich zwar eine Sicherheitseinweisung, einen formschönen Helm und meinen Besucherpass bekommen, aber jetzt, so kurz vor dem Ziel, musste ich dann doch an den ganzen Gossip denken, der sich um den LHC rankte. Mir kam der Film „Illuminati“ in den Sinn und die Protestaktionen, die die Erzeugung eines schwarzen Loches fürchteten. Ich hütete mich natürlich davor, so etwas überhaupt anzusprechen, waren die Reaktionen auf die Frage, was ich denn studieren würde doch schon aufschlussreich genug gewesen („Germanistik? Aha. Na dann kommen wir doch zu…“). Und wenn ich ehrlich war, dann glaubte ich daran auch nicht.

Trotzdem spürte ich ein kleines aufgeregtes Hüpfen in meiner Magengrube und gleichzeitig fühlte ich mich ein wenig fehl am Platz, hatte ich im Grunde genommen doch überhaupt gar keine Ahnung davon, wie das alles hier funktionierte. Physik hatte ich nämlich das letzte Mal in der Schule gehabt. War zwar nie mein schlechtestes Fach gewesen, aber sagen wir so: Meine Interessen liegen woanders. Ich verstand zwar die Ziele der Forschung, nämlich die Erzeugung und das Untersuchen von bekannten und unbekannten Elementarteilchen und die Überprüfung und Weiterentwicklung des momentanen Standardmodells der Teilchenphysik. Aber dennoch überwog der Respekt vor der geballten naturwissenschaftlichen Leistung, die sich hier vor mir aufbaute. Um es schlicht auszudrücken: Ich fühlte mich ein klitzekleines bisschen eingeschüchtert.
Der Moment, in dem ich den LHC, beziehungsweise einen Teil von ihm, dann sah, habe ich immer noch genau in Erinnerung. Sagen wir einfach: Es war überwältigend.

Ich musste daran denken, was ich vorher gelesen hatte, um mich auf den Besuch vorzubereiten und nicht ganz so unwissend zu wirken. Allein diese Zahlen waren schon beeindruckend genug, denn der Large Hadron Collider ist der weltweit leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger und für mich Inbegriff davon, was Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit schaffen können. An seinem Bau sind über 10.000 Wissenschaftler aus über 100 Staaten beteiligt gewesen. Hunderte Lehrstühle und Universitäten haben sich zusammengetan, um dieses Projekt auf die Beine zu stellen und es hat tatsächlich funktioniert (wenn man sich die Unis manchmal so anschaut, dann kann das schon verwundern). Während die anderen beiden aus meiner Gruppe anfingen zu fachsimpeln, versuchte ich also meinen Mund nicht allzu weit offen stehen zu lassen und kompensierte das Leck an Wissen damit, fachmännisch aussehend Fotos zu machen.

Auf dem Rückweg wurden schließlich noch ein paar Hände geschüttelt und die Schaltzentralen besucht, von denen aus die Steuerung der Anlage erfolgt. Bevor es dann zurück in das eisige Winterwetter ging, gab es noch einen heißen Kaffee und die an mich gerichtete Frage, warum mich der LHC interessieren würde. Meine Antwort war simpel: „Es ist immer gut über den eigenen Tellerrand zu gucken.“ Bibliotheken und lateinische Texte sehe ich nämlich schon zur Genüge von nahem.

Vielen Dank für die wunderbare Führung und die Tatsache, dass ich mir den LHC anschauen durfte!

  1. Wow! Den Teilchenbeschleuniger bei CERN würde ich auch mal gerne sehen! Das sieht richtig cool aus. Danke für den schönen Bericht 🙂
    Liebe Grüße
    Maria

  2. Cool das ist mal wirklich was Anderes! Ich verstehe zwar leider auch nicht viel davon aber es ist faszinierend zu sehen an was die Forscher so arbeiten 😉

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