Zu Gast im ältesten Schlafzimmer Schleswig-Holsteins

Das Alt-Segeberger Bürgerhaus

Weiter geht es mit meiner Schleswig-Holstein Artikelreihe. Dieses Mal bin ich nach Bad Segeberg gefahren. Was ich dort gefunden habe? Lest selbst.

Wir klopfen an die Holztür des mittelalterlichen Bürgerhauses mitten in der Bad Segeberger Innenstadt und warten. Ein bisschen komme ich mir vor, als ob ich Gretel wäre und gerade Einlass ins Hexenhäuschen begehre, so windschief und verzogen ist das Gebälk. Links und rechts säumen moderne Gebäude das alte Gemäuer und lassen es deshalb gleich noch viel mehr aus der Glas und Betonwelt herausstechen, die es umgibt. Es scheint, als würde sich das Alt-Segeberger Bürgerhaus in den Schatten seiner neueren Geschwister ducken, gebeugt von der Last der Jahrhunderte. Gleichzeitig wirkt es aber auch stolz, denn es hat etwas, was den meisten anderen Häusern noch fehlt: Eine unglaublich lange und wechselhafte Geschichte.

Wir sind hier, um uns das 1541 erbaute Gebäude anzuschauen und über Ausstellungskonzepte im Allgemeinen und das des Bürgerhauses im Besonderen zu sprechen. Sobald ich die moderne Welt draußen hinter mir gelassen habe, ist mir, als ob ich in eine andere Zeit eintauche. Eine Zeit, die es so schon lange nicht mehr gibt und die deshalb für mich von ganz besonderem Interesse ist.

Der Kurator des Museums wartet schon als wir eintreten und empfängt uns in der Diele. So klein wie mir das Haus von draußen im Vergleich zu den umgebenden Gebäuden vorkam, so eng ist es auch drinnen. Aber das ist in Ordnung, trägt vielmehr noch zu seinem Charme bei. Schließlich sind wir nicht hierher gekommen, um ausgreifende Architektur zu bewundern, sondern um uns die Bauweise und Geschichte des Hauses erklären zu lassen.

Zuerst erzählt der Kurator deshalb auch etwas über die Entstehung des Museums und die Baugeschichte. Die sogenannte „Urzelle“ des Hauses, also die ursprüngliche Bauweise, war ein Dreiständer Dielenhallenhaus. Das heißt, dass an die Diele, in der wir gerade stehen, nur noch zwei weitere Räume angrenzten.

Mit der Zeit kamen dann die Erweiterungen, die das Gebäude zu dem machten, was es heute immer noch ist. Zu diesen Erweiterungen gehörte beispielsweise auch der Bau der sogenannten „Upkamer“, die, mit einem Augenzwinkern gesagt, als das älteste Schlafzimmer Schleswig-Holsteins bezeichnet werden kann.

Ganz einfach zu erreichen ist sie dabei hingegen nicht und mit Fotoapparat die steile Leiter hinaufzuklettern erweist sich als schwieriger als gedacht. Oben angekommen werden wir jedoch von zwei gemütlichen Betten empfangen, die zum hineinlegen einladen. Natürlich nur theoretisch.

Auch der Rest des Hauses und die Dauerausstellung zur Geschichte Bad Segebergs, die weit über die heute überregional bekannten Karl-May-Festspiele hinausgeht, sind liebevoll gestaltet und umgesetzt. Dabei ist die Historie der Stadt und des sogenannten Kalkbergs untrennbar miteinander verbunden, spielte der im Mittelalter noch wesentlich höhere Berg doch eine zentrale Rolle bei der Errichtung der „Siegesburg“ auf seinem Gipfel.

Von deren Existenz zeugt heute jedoch nur noch wenig – nicht zuletzt deshalb, weil der Gips des Berges über die Zeit hinweg zu einem großen Teil abgetragen wurde. Das Modell in der Ausstellung jedoch lässt die alte Festung wieder zum Leben erwachen, womit ein authentischer Eindruck der Vergangenheit vermittelt wird und außerdem die Veränderungen, die bis heute stattfinden und stattgefunden haben, noch viel deutlicher zutage treten.

Nach einem Einblick ein ein künftiges Projekt bedanken wir uns und verlassen das Alt-Segeberger Bürgerhaus mit vielen neuen Eindrücken und Informationen. Draußen auf der Straße habe ich das Gefühl, eine kleine Zeitreise mitgemacht zu haben. Und der Blick zurück bestätigt mich in meinem Empfinden: Das Haus ist umweht von einer gewissen Melancholie und einer faszinierenden Ausstrahlung. Es ist windschief und ein wenig verzogen, alt und in keinem Fall mit den heutigen Bauten zu vergleichen. Aber diesen Vergleich muss es sich auch gar nicht gefallen lassen, denn vor allem ist es eins: Der letzte Zeuge einer längst vergangenen Zeit.

Vielen Dank für den interessanten und informativen Nachmittag!

Habe ich euch neugierig auf die Geschichte Bad Segebergs gemacht? Hier findet ihr weitere Informationen zum Alt-Segeberger Bürgerhaus.

War einer von euch schon einmal in Bad Segeberg? Wenn ja: Welche Erinnerungen habt ihr an die Stadt? Was verbindet ihr mit ihr? Wenn nein: Würdet ihr hinfahren?

Schreibt mir hier in den Kommentaren oder bei Twitter / Facebook eure Meinung! 🙂

  1. Ich finde es auch immer wieder interessant, sich mit der Geschichte eines Ortes auseinander zu setzen und in das Leben der Menschen in der damaligen Zeit einzutauchen. Auch in Freilichtmuseen lassen sich immer wieder interessante Geschichten entdecken. Deine zauberhaften Fotos lassen das Bürgerhaus lebendig werden. Herzlich, Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sechzehn − 9 =

Unterstütze mich mit einem Likeschliessen
oeffnen
%d Bloggern gefällt das: