Vesuv Neapel

Zu Besuch beim Vesuv

Aufstieg auf den Rücken eines schlafenden Riesen

Schon von Neapel aus werfen wir begehrliche Blicke auf den Berg, der auf die Stadt und ihre Bewohner hinabschaut. Vom Hafen aus kann man ihn in seiner ganzen Pracht bewundern und das tun wir auch ausgiebigst, denn in wenigen Stunden werden wir selbst hinaufsteigen! Die kribbelige Vorfreude in meinem Bauch macht einen Überschlag.
Als die Formalia erledigt sind (Mietwagen abholen, Koffer verstauen, Navigation anschalten, Sonnenbrille suchen) machen wir uns endlich auf den Weg.
Hatte ich mich bis zu diesem Zeitpunkt noch geärgert, dass in den Kofferraum unseres Fiat 500 nur ein Gepäckstück passt, bin ich nach einigen Serpentinen froh um das wendige Auto. Und nachdem wir unser erstes Reisebusballett auf der engen Bergstraße hinter uns haben, erst recht.
Die Auffahrt ist phänomenal – zumindest für mich als Beifahrer. Oben angekommen stellen wir den Wagen ab und legen die restlichen 170 Höhenmeter bis zum Krater zu Fuß zurück. Sollte ja ein Klacks sein, oder?
Denkste. Nach der Hälfte der Strecke bettele ich um eine Pause und während mein Reisepartner die Aussicht genießt, beobachte ich argwöhnisch die rüstige deutsche Rentnergruppe, die hinter uns den Vulkan erklimmt. Wenn die uns überholen, werde ich meinen Stolz ziemlich lange suchen müssen. Also beiße ich die Zähne zusammen und weiter geht’s. Hätte ich geahnt, dass ich eine Woche später mit Schüttelfrost im Bett liegen werde, wäre es einfacher gewesen, meine schwächelnde Kondition auf die nahende Erkältung zu schieben. Aber so ist es eine Frage der Ehre, vor der Rentnergruppe den Gipfel zu erreichen.

Als ich den Rand zu erahnen glaube, werden meine Schritte schneller und beschwingter. Vergessen ist die pralle Sonne und der Staub, der aufgewirbelt in der Luft tanzt. Die Renter fallen zurück und ich setze sowohl innerlich als auch äußerlich zum Schlussspurt an.
Meiner Euphorie wird jedoch ein jähes Ende gesetzt, als der Weg direkt vor uns aufhört und anstelle des Vulkankraters eine Hütte vor uns steht.
Ich schaue mich um.
Kühlschrankmagneten, Ketten, Postkarten und veredeltes Vulkangestein werden zum Verkauf angeboten. Touristennippes eben. Soll es das jetzt gewesen sein? Werden wir dem Krater näher nicht kommen?
Ohne Guide geht es hier tatsächlich nicht weiter, bringt mein Reisepartner in Erfahrung. Die nächste englischsprachige Tour soll aber in wenigen Minuten starten, versichert man uns. Man müsse nur noch auf eine größere Gruppe warten. Mein Blick gleitet zu den Rentern, die gerade hinter uns eintrudeln, doch sie ziehen unbeirrt weiter – direkt zum Krater, an ihrer Spitze ein Guide, der hektisch mit einem gelben Regenschirm fuchtelt.
Wir warten also. Zehn Minuten. Fünfzehn Minuten. Die Renter sind schon wieder auf dem Rückweg.
Dann wirbelt etwas an mir vorbei, ich höre aufgeregte Rufe und sehe gleich darauf einen Mann, der fluchend hinterher rennt: Die angekündigte Gruppe ist eingetroffen und sie stellt sich als britische Jungenschulklasse heraus, die schwerer zu hüten ist als ein Sack Flöhe. Während einer der Lehrer uns einen mitleidigen Blick zuwirft, brüllt sein Kollege drei ungeduldigen Jungs hinterher: „Boys, boys, boys, I know you wanna see the crater. Just listen to the lady one more moment and we will go.“
Ich kann die drei total verstehen, und wäre ich acht statt Mitte zwanzig, wäre ich mit ziemlicher Sicherheit hinterhergelaufen.
Während mindestens einer der Lehrer damit beschäftigt ist, die Jungs wieder einzufangen, beginnt für uns nun endlich der letzte kleine Rest des Aufstiegs bis ganz nach oben.
Und dann sehen wir ihn: Den Krater.

Er ähnelt zwar mehr einer Schutthalde, aber trotzdem ist es ein tolles Gefühl, auf dem Gipfel zu stehen. Auf dem Gipfel eines Vulkans, der so friedlich wirkt, als könne er kein Wässerchen trüben, und trotzdem immer noch aktiv ist. Das soll man an den Schwefeldämpfen sehen, wird mir erklärt. Ich strenge mich an, kann aber nichts erkennen. Egal.

Wir genießen den Blick auf das in Teilen vom Nebel verhangene Kampanien und beschließen unwillkürlich, dass das nicht unser letzter Vulkan gewesen ist.

Was man wissen sollte

  • Der Parkplatz am Ende der Serpentinen ist kostenlos (zumindest war er das im April 2014). Gewitzte „Parkplatzwächter“ erzählen aber gerne etwas anderes und verlangen 2 Euro dafür, dass man parken darf.
  • Der Aufstieg auf den Vulkan kostet hingegen tatsächlich etwas (genaue Preise kann ich nicht mehr nennen, google hilft aber sicher gerne aus).
  • Festes Schuhwerk ist für den Aufstieg auf den Vesuv unbedingt zu empfehlen. Die Wege sind steil und man rutscht leicht weg.
  • Die Umrundung des Kraters ist nicht immer möglich, was von den Wetterbedingungen abhängt. Wer einmal rundherum gehen möchte, sollte also vorher beim Kauf der Eintrittskarten nachfragen.
  • Die Besichtigung des Kraters findet immer unter Aufsicht eines Guides statt und dieser ist im Eintrittpreis bereits enthalten. Manchmal kann es allerdings eine Weile dauern, bis eine englischsprachige Tour stattfindet. Wer Italienisch spricht, ist klar im Vorteil.

  1. Pingback: Pompeji, die Stadt der Toten - Die Gradwanderung

  2. oh ja, da stand ich auch. schon seltsam, sich zu überlegen, was diese „schutthalde“ verursacht hat. kann man sich kaum vorstellen. aber da hie und da ja doch rauch aufsteigt hat es schon etwas unheimliches. ich fand es sehr beeindruckend da oben. und beschwerlich fand ich den aufstieg auch, irgendwie.

    • Ja, die Rauchschwaden… wenn ich sie denn gesehen hätte! 😉 Alle in der Gruppe waren am Staunen und ich habe mich die ganze Zeit gefragt: Wo sehen die das?

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