Unter Wölfen: Der Wildpark Eekholt

Ein Beitrag zur Blogparade „Sehenswürdigkeiten in Deutschland“

Dieser Artikel über den Wildpark Eekholt ein Beitrag zur Blogparade von Florian von phototravellers.de. Schaut doch auch noch einmal bei den anderen Artikeln vorbei. Vielen Dank für das schöne Thema!

Am Himmel ziehen sich Wolken zusammen – es ist Mitte August mitten in Schleswig-Holstein, dem Bundesland zwischen den Meeren, und es ist nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit, dass das Wetter schlechter wird. Von meinen Freunden aus Süddeutschland höre ich deshalb immer wieder: „Warum regnet es hier so oft? Wir haben Sommer. Das ist doch nicht normal!“ Als gebürtige Hamburgerin fällt mir das aber eigentlich gar nicht mehr auf.

Schritte über den Tannennadel bedeckten Boden

Die von hohen Bäumen gesäumte Straße, links und rechts von Maisfeldern umgeben, windet sich durch die sanft geschwungene Landschaft. Ab und an ein Knick, in der Ferne ein paar Windräder.
Wir sind auf dem Weg zum Wildpark Eekholt, der mit einer Fläche von 67 Hektar so naturnah wie möglich gestaltet ist. Hier wollen wir uns die circa einhundert mitteleuropäischen Arten anschauen, allen voran natürlich die Wölfe. Zusammen mit dem Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein wohnen die Wölfe nämlich in einem Teil des Wildparks und es ist möglich, bei der Fütterung der Wildtiere zuzusehen.

Das Auto biegt um eine Kurve und auf den Parkplatz des Wildparks. Heute sind viele Familien unterwegs, es ist Wochenende und voll. Das finde ich ein wenig schade, denn wirklich genießen kann man den Park am besten, wenn es ganz still ist. Dann nämlich kommen erst die scheuen Tiere heraus: Eichhörnchen, die über den Tannennadel bedeckten Boden huschen, Seeotter, die ihre Köpfe im Familienverband aus der durch den Park fließenden Osterau strecken. Und vielleicht sogar die ein oder andere Füchsin, die sich aus ihrem Bau heraus traut.

Der Wolf und der Mensch

Trotzdem gibt es auch an einem vollen Tag viel zu entdecken – die Wölfe zum Beispiel, die der Menschenauflauf vor ihrem Gehege nicht im mindesten stört. Vielmehr ignorieren sie die penetranten Zweibeiner, jagen und sonnen sich, als wäre nichts. Und wenn es dann doch einmal zu viel wird, ziehen sie sich in den Schutz der Bäume zurück, der sie vor allen neugierigen Blicken verbirgt.

Dazu kommt es heute nicht, denn die Fütterung steht kurz bevor. Und die lassen sich die Wölfe natürlich nicht entgehen. Der Wildpark Eekholt hat insgesamt fünf Wölfe: Die Jungwölfe Mascha, Janosch und Alexander, die Altwölfin Lena und Knickohr. Voneinander getrennt befinden sich Mascha und Knickohr in einem anderen Teil des Geheges als Altwölfin Lena mit Janosch und Alexander. Insgesamt ist das Wolfsgehege in Eekholt etwa einen Hektar groß und damit für einen Wildpark großzügig angelegt.
Wölfe selber haben dabei natürlich eine lange Geschichte, auch mit und zu dem Menschen. Als Stammväter der heutigen Hunde hatte der Mensch lange ein negatives Verhältnis zum Wolf. Bis ins 20. Jahrhundert hinein rottete man sie systematisch aus, der letzte freilebende Wolf soll 1904 in der Lausitz erschossen worden sein. Danach wanderten zwar immer wieder Wölfe nach Deutschland ein, aber erst in den 2000ern nahm der Bestand von freilebenden Wölfen wieder zu.

Die Urangst vor dem Wolf

Die Urangst vor dem Wolf bleibt aber trotzdem bis zu einem gewissen Grad bestehen. Erwachsen aus der direkten Nahrungs- und Jagdkonkurrenz wurde der Wolf ab dem Mittelalter und durch die Ausbreitung der Landwirtschaft dämonisiert. Von Angriffen auf Menschen wurde in historischen Quellen ebenso berichtet, wie von gerissenem Vieh. Deshalb wurde der Wolf gejagt und in großen Teilen Europas ausgerottet.
Von dieser langen Geschichte ahnen Lena, Janosch und Alexander nichts, während die Tierpflegerin Fleischbrocken ins Gehege wirft und von der sozialen Organisation und Ernährung der Wölfe erzählt. Denn im Regelfall ist der Wolf im Familienverband anzutreffen – in seinem Rudel. Dort ist auch die Hierarchie zwischen Eltern und Kindern klar geregelt und die Jungtiere wandern nach einer bestimmten Zeit ab, um sich ein eigenes Revier zu suchen und eine Familie zu gründen. Da in Gefangenschaft aber häufig nicht verwandte Wölfe miteinander gehalten werden, kommt es dort auch häufiger zu Auseinandersetzungen.

Die Tierpflegerin beendet die Fütterung und die Wölfe ziehen sich zurück. Nur einer bleibt auf dem höchsten Punkt des Geheges liegen und schaut uns Menschen an. Sein Blick hat etwas mitleidiges und ich bin mir auf einmal nicht mehr sicher, wer hier eigentlich wen beobachtet.

Wir gehen weiter, vorbei an den Wildschweinen, den Seeottern, den Wildkatzen und Eulen. Als wir uns wieder dem Ausgang nähern, schaue ich noch einmal zurück in den Wald, zwischen die Bäume und Tannennadeln und stelle mir unwillkürlich die Frage: Wie wäre es, in einem Land zu leben, in dem das gefährlichste Tier nicht die Zecke ist, sondern Wölfe, Bären und Luchse? Können wir uns das heute überhaupt noch vorstellen?

Seid ihr schon einmal in einem Wildpark gewesen? Und welche Erfahrungen habt ihr dort gemacht? 🙂

  1. Hallo Anna,

    ein spannendes Ziel und ganz toll geschrieben – danke dafür 🙂

    Liebe Grüße
    Florian

  2. Hach wie schön es doch ist, Tiere und Natur so hautnah zu erleben! Dass es so voll war merkt an den Fotos gar nicht 😉

  3. Hey Anna! Das liest sich so, dass ich dort sofort hinmöchte.
    Wölfe finde ich faszinierend und wunderschön.
    Und wie süß ist denn der Otter…
    Wir lange fährt man denn von HH?
    Liebe Grüße,
    Tabitha

    • Gar nicht lange, je nachdem von wo du aus HH kommst. Ist kurz vor Großen Aspe im Kreis Segeberg. Vielleicht so 45 Minuten.

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