Wartburg

Tod, Teufel, Satan: Die Wartburg in Eisenach

Es ist Herbst. Feiner Nieselregen wird von den Scheibenwischern immer wieder an den Fensterrand des Autos gedrängt, während wir durch ein Waldstück mitten in Thüringen fahren. Es ist nicht mehr weit bis zur letzten Burg auf unserer Reise: Der Wartburg.

Ludwig der Springer, der Gründer der Wartburg

Um 1067 von Ludwig dem Springer, Graf von Thüringen, erbaut, thront sie über dem kleinen Ort Eisenach. Noch ist sie zwar nicht in Sicht, die mystische Stimmung eilt ihr aber dennoch voraus. Mich würde es nicht wundern, wenn hinter der nächsten Straßenkurve ein Ritter auf seinem Pferd vor uns auftauchen oder eine adlige Lady in einer Kutsche durch den Wald fahren würde – ebenfalls auf dem Weg zu der altehrwürdigen Burg.

Um die Gründung der Wartburg ranken sich viele Legenden. Die wohl skurrilste hängt mit ihrem Gründer Ludwig dem Springer zusammen, der seinen Namen im Übrigen erhalten haben soll, als er bei der Flucht aus einem Gefängnisturm hinab in die Saale sprang. Ähnlich bunt ist die Geschichte von der Gründung der Wartburg: Ludwig der Springer soll auf der Jagd den Standort der späteren Wartburg entdeckt haben. Leider war dieser Ort aber nicht sein Grund und Boden und so verfiel Ludwig auf eine spitzfindige Lösung: Er ließ Erde von seinem Territorium hinauf auf den Berg schaffen und baute – auf seinem Grund und Boden, wie er behauptete – daraufhin die Wartburg.

Mythen und Legenden

Um die Wartburg ranken sich jedoch auch noch andere Mythen, manche von ihnen sind sogar historisch nachweisbar. Dazu gehört eben auch der Aufenthalt Martin Luthers als Junker Jörg. 1521 ließ Kurfürst Friedrich der Weise den Reformer nämlich auf der Wartburg verstecken, um ihn vor seinen Gegnern zumindest für eine kurze Weile in Sicherheit zu bringen. Unter dem Decknamen Junker Jörg verbrachte Luther einige Zeit auf der Burg und focht viele Kämpfe mit dem Teufel aus – manche von ihnen auf Papier und manche auch auf andere Weise: In einem besonders beherzten Moment soll Luther ein Tintenfass nach Satan geworfen haben. Diese Legende, wenn auch immer noch häufig und gerne erzählt, gilt heute als überholt. Denn der Beweis für Luthers Wurf – der Tintenfleck an der Wand – ist über die Jahrhunderte hinweg immer wieder aus- und nachgebessert und sogar neu angebracht worden. Was aber als gesichert gelten kann, ist die Tatsache, dass Luther während seines Aufenthaltes auf der Wartburg die Bibel in die Sprache des Volkes, also das damalige Deutsch, übersetzt hat. Und schließlich soll auch die Heilige Elisabeth von Thüringen auf der Burg gelebt haben.

Reise in die Vergangenheit

So viel Geschichte und so viele Personen, die über die Zeit hinweg die Wartburg besucht haben – das beeindruckt mich schon, bevor wir sie überhaupt betreten haben. Am Fuß des Burgberges angekommen, windet sich das Auto in Schlangenlinien bis zum obersten Parkplatz hinauf. Es ist nicht viel los, nur wenige Autos stehen auf dem morastigen Boden. Die restlichen Meter zur Burg gehen wir zu Fuß – immer aufwärts. Es ist so neblig, dass man kaum die Hand vor Augen sieht, geschweige denn die Burg. Erst als wir direkt unter ihr stehen, schälen sich die ersten Umrisse aus dem dunstigen Weiß. Als wir dann über die Brücke und durch das Burgtor gehen, habe ich das Gefühl in einem anderen Jahrhundert angekommen zu sein.

Wie wir später erfahren, stammt die heutige Anlage nur noch teilweise aus dem Mittelalter und ist größtenteils auf den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zurückzuführen. Das tut der Faszination, die diese Burg auf mich ausübt, aber keinen Abbruch. Denn von der Wartburg hat sich nicht nur Ludwig von Bayern beim Bau seines Schlosses Neuschwanstein inspirieren lassen; vielmehr ist sie ein Zeugnis deutscher Geschichte und Heim für bedeutende historische Persönlichkeiten gewesen.

Nach der knapp einstündigen Führung verlassen wir die Burg um viele Mythen, Legenden und historische Tatsachen bereichert. Als wir den Berg hinunter in Richtung Parkplatz laufen, verspreche ich mir aber, dass dieser Besuch nicht der letzte gewesen sein wird. Ich drehe mich um und winke ihr zu. Dann steigen ich ins Auto und sehe dabei zu, wie die Burg im Nebel verschwindet.

Wo? Wartburg, Auf der Wartburg 1 in 99817 Eisenach
Eintritt 9,- Euro (Ermäßigung möglich)
Parkplatz PKW Gebühr 5,- Euro
Unterkunft Erfurt via AirBnB

  1. Hallo Anna,
    ein sehr schöner Bericht. Die Wartburg will ich auch unbedingt mal bald sehen, ganz besonders da sich so viele Legenden um sie drehen 🙂 Und nachdem ich weiß, dass Neuschwanstein viel von der Wartburg übernommen hat, sowieso.
    Viele Grüße
    Maria

    • Dankeschön. 🙂 Die Wartburg ist auf jeden Fall eine Reise wert. Vor allem im Herbst zaubert der Nebel einfach eine tolle Stimmung. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dort im Sommer zu wandern.

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  4. Hallo Anna,
    scheint, als wäre die Wartburg auf jeden Fall einen Besuch wert 🙂 War selbst leider noch nie in der Gegend, aber ein Begriff ist mir die Burg durchaus.
    Liebe Grüße,
    Kerstin

  5. Anja Frieß

    Hallo Anna,
    ich wohne nur 15 km von der Wartung entfernt und war schon oft dort. Ich muss sagen das du einen wunderschönen Bericht geschrieben hast. Eine wundervolle Atmosphäre hat auch der Weihnachtsmarkt auf der Wartburg.

    • Danke dir, Anja. Die Wartburg ist immer eine Reise wert und ich werde sie bestimmt noch einmal besuchen – vielleicht mal im Sommer. 🙂

  6. was für eine wunderbare stimmung, um so einen geschichtsträchtigen ort kennenzulernen. einen spannende entstehungsgeschichte, danke fürs teilen!

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