Brooklyn Bridge Park New York

New York: Die Stadt, die niemals schläft

Ich sitze in der New Yorker U-Bahn, meinen Koffer zwischen den Knien, einen Vater mit schlafendem Sohn und BMX Rad gegenüber. Die Waggons rattern. Und plötzlich fängt irgendwo rechts von mir eine Gruppe Straßenmusikanten an zu singen: „It’s been so hard living but I’m afraid to die.“
Das ist der Moment, mein Moment, den ich immer mit dieser Stadt verbinden werde, denn was träfe mehr auf New York zu als diese Zeilen?

Vor dem Besuch waren meine Erwartungen riesig. Überlebensgroß, fast so hoch wie die Wolkenkratzer in Manhattan. Danach sehe ich die Stadt mit anderen Augen. Sie ist nicht mehr ganz so überwältigend, nicht mehr ganz so angefüllt mit Projektionen. Dafür habe ich jetzt ein Bild von ihr, das viel besser ist als die Vorstellungen von vorher. Und dieses Bild von New York macht vor allem…

Harlem aus. Denn dort sind wir in einem kleinen Bed & Breakfast untergekommen. Die beste Entscheidung, die man hätte treffen können, im Nachhinein. Harlem ist zwar nicht unbedingt verkehrsgünstig gelegen, weswegen man bis nach Manhattan eine Weile braucht, dafür ist es aber – wie sagen die Reiseführer immer so schön? – authentisch. So authentisch, dass man eben auch den Gangs über den Weg läuft. Den Obdachlosen. Der Frau von nebenan, die gerade ihren Einkauf erledigt. Den Kindern, die zur Schule gehen. Und nicht zuletzt einer Kellnerin, die Verwandtschaft in Norddeutschland hat, und uns deshalb ganz besonders enthusiastisch bedient. Darum und weil der Jazz im „Shrine“ (http://www.shrinenyc.com/) einfach fantastisch war, würden wir Harlem immer wieder besuchen.

… der Central Park aus und mit ihm die Dachterrasse des Metropolitan Museum of Art. Natürlich ist das Museum an sich auch mehr als einen Besuch wert, wer aber, wie wir, auf der Suche nach einer (bezahlbaren) Alternative für eine der vielen Rooftop-Bars ist, für den ist die Dachterrasse des MET genau richtig. Von hier aus lässt sich der Sonnenuntergang vor der grünen Kulisse des Parks ganz wunderbar mit einem Bier oder einem Cocktail genießen. Der Eintritt zum Museum ist zudem frei (davon ausgenommen sind Sonderausstellungen), die Eintrittspreise streng genommen nur eine Empfehlung. Wer das weiß, kann dem Museum eine Spende zukommen lassen, die dem eigenen Budget mehr entspricht.

… das Baseballspiel der New York Yankees aus, das wir im Yankee Stadium geschaut haben. Auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um alle Regeln zu verstehen, und die Kiss-Cam meine persönliche Hölle ist, war das ganze Drumherum so klischeehaft amerikanisch (vor dem Spiel auf dem Parkplatz stattfindendes Barbecue mit der Familie?!), dass es ein Erlebnis an sich war.

… die Staten Island Ferry aus. Denn auf der Fahrt hat man nicht nur einen einmaligen Blick auf Manhattan und die Freiheitsstatue, sondern kann mit etwas Fantasie auch die Hoffnung, die die Einwanderer damals bei Einfahrt in den New Yorker Hafen hatten, ganz genau nachvollziehen. Abgesehen davon – Achtung, Pragmatismus! – muss man sich nicht auf die überladenen Touristenboote drängeln und in die 2x um die Insel führende Schlange zur Miss Liberty stellen. Wir haben unsere Entscheidung, die Statue nur aus der Ferne zu bewundern, deshalb nicht einen Moment bereut.

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  2. Schöne Fotos! Dein Artikel weckt Erinnerungen und gleichzeitig den dringenden Wunsch, mich wieder einmal durch die Häuserschluchten treiben zu lassen. Sich mal in Harlem einzuquartieren ist bestimmt eine gute Idee. Werd ich mir merken 😉

    LIebe Grüße
    Monika

    • Ja, die Häuserschluchten hätte ich mir vorher gar nicht so riesig vorgestellt. Hatte ich glatt unterschätzt. 😉 Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

      Herzlich,
      Anna

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  4. „Vor dem Besuch waren meine Erwartungen riesig. Überlebensgroß, fast so hoch wie die Wolkenkratzer in Manhattan.“

    Oh ja, genau so ging es mir auch. Aber dann bist Du auf einmal mittendrin und es ist ganz „normal“, dass es so ist …
    Aber NYC ist schon etwas besonders. Allein, wenn ich so an Essen und Trinken denke! Yummy … 😀

    LG, Wolfgang

    • Ja, wenn man erst mal mitten drin steht, ist es auf einmal das Normalste der Welt. Aber gut zu wissen, dass es noch jemand anderem so ging. 🙂

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