Neufundlands & Labradors Küche

In dieser Woche möchte ich euch den Gastbeitrag von Tatjana und Martin vorstellen. Ihnen ist ihr ökologischer Fußabdruck beim Reisen ganz besonders wichtig und das möchten sie auch durch ihre Texte zum Ausdruck bringen. Heute erzählen sie von der Küche Neufundlands, die so anders ist als die unsrige. Vielen Dank für diesen tollen Artikel!

Als Neufundland vor über 400 Jahren entdeckt wurde, seien die Schwärme von Fischen so dicht gewesen, dass sie sogar Schiffe ausbremsten, so behaupten alte Überlieferungen. Es ist die Provinz Kanadas mit dem umfangreichsten Küstengebiet und genau aus dem Grund sind die Europäer auch hierher gekommen: Um zu fischen. Alte Fischer erzählen von Zeiten als nur der Eimer eingetaucht werden musste und die Fische sprangen nur so in diesen hinein.

– „Wie ist die Küche in Neufundland und Labrador eigentlich?“
– „Fischig.“

Wir selbst konnten uns schon mehrfach davon überzeugen. Kaum ist der Haken im Wasser: Schwupps, hat die Makrele auch schon angebissen – ohne Köder! Genau so erlebten wir es erst vor kurzem bei einem Ausflug zum Kabeljau fischen. Damals wie heute steht frischer Kabeljau, in Neufundland einfach nur Fisch genannt, ganz oben auf dem Speiseplan. Früher, als es noch keine Kühlschränke gab, wurde der Fisch gesalzen und getrocknet. So war er haltbar für den Winter, gleichzeitig konnte er um die Welt verschifft werden.

Rezepte und Tradition: Das Jiggs Dinner

Die traditionellen Rezepte beinhalten hierbei häufig das Einweichen von gepökeltem Fisch. Ein typisches Abendessen ist Jiggs Dinner. Der Name kommt von dem Hauptcharakter einer Comic-Serie mit Namen Jiggs, der immer dasselbe zum Abendessen gegessen hat – eine Parodie auf den Neufundländer und dessen Hauptnahrungsmittel. Das Gericht besteht aus Pökelfisch mit Kartoffeln, Karotten, Kohl und Steckrüben in einer Bratenform vermengt. Außerdem Paniermehl, Rosinen, brauner Zucker, Zuckerrübensirup, Butter, Mehl, Nelken mit gelben Erbsen in einem Leinenbeutel verpackt und mit dem Fisch-Gemüse sowie der Brühe gekocht. Als Gewürze werden Senfgurken, eingelegte Rüben, Preiselbeersauce, Butter und Bratenfett verwendet. Das übrig gebliebene Gemüse von einem Jiggs Abendessen wird am nächsten Tag oft in einen Topf gemischt, gebraten und als Kraut Hash serviert.

Gastfreundlichkeit wird groß geschrieben

Die Neufundländer sind nicht nur für ihren Fisch bekannt, sondern auch für ihre Gastfreundlichkeit. So hatten wir das Glück häufig zu Tisch eingeladen worden zu sein, wodurch wir uns einmal durch die Provinz schlemmen konnten. Ich habe schon Hummer und Schneekrabben, vom Fischer überreicht und am Strand im großen Topf gekocht, verputzen dürfen. Allerlei Fischarten wie Haddock, Steinbutt, Kabeljau, Heilbutt, Hechtdorsch, Seelachs, Süß- oder Salzwasserforellen und Makrelen landeten auf dem Teller. Ganz hervorragend war darüber hinaus in Blaubeer- und Birkensträuchern geräuchert das sogenannte Char.

Moosefleisch: Was ist das?

Zwei ganz außergewöhnliche Delikatessen, die wir von Ureinwohnern geschenkt bekamen, waren außerdem Bottled Seal und Moosefleisch. Was das ist? Ganz einfach: Ein Einmachglas mit Seehund.
Das Fleisch ist bordeauxrot, langfasrig und schmeckt sehr reich. Das Moosefleisch probierte ich in allen Varianten, denn wir bekamen sowohl einen Braten, Steaks, T-Bone Steaks als auch Würstchen und Burger vorgesetzt. In Restaurants findet man Moose selten. Auch wenn Moose in der Jagdsaison von lizensierten Jägern geschossen werden darf, brauchen Restaurants eine spezielle Lizenz zum Verkauf dieser Wildtiere. Geschmacklich ähnelt es Rindfleisch, allerdings ist es langfasriger, dunkler und zarter. Für mich gab es jedenfalls eine Menge zu schlemmen.

Pie mit Beeren als weitere Delikatesse Neufundlands

Meine Freundin ist jedoch Veganerin und hat die großzügigen Angebote ausschlagen müssen. Trotzdem ist sie ein Schleckermäulchen, deswegen hat sie sich kein Pie-Stück entgehen lassen. Denn typisch in der Küche Neufundlands sind auch Pies. Der Teig für den Boden ist salzig, dafür sind sie gefüllt mit süßen Beeren. Denn Neufundland ist ein beerenreiches Fleckchen.

So manch eine Wanderung auf der Insel wurde durch das Verkosten verzögert.

Wir fanden Crowberries, die säuerlich bitter schmecken, weswegen man sie gern mit Blaubeeren in Pies mischt oder als Beilage zu Fleisch serviert. Dewberries, die süßlich im Geschmack sind und nicht so fest wie die Himbeeren daheim, aber ähnlich. Außerdem Bunchberries, die saftig sind, aber kaum Geschmack haben, ein Hauch von Süße zwischen den kleinen Kernen. Preiselbeeren, die zunächst weiß, später leuchtend rot sind. Im Geschmack sind sie sehr säuerlich. Erst nach dem ersten Frost werden sie süßer.

Beeren im Salat

Unreif eignen sie sich für den Salat als Zitronenersatz oder bei Wanderungen für eine Erfrischung zwischendurch. Und Tatjanas Lieblinge, die Bakeapples, wachsen wie ein Gänseblümchen als einzige Beere an einem Stiel, sind doppelt so groß wie eine Himbeere, orangefarben, saftig und haben eine säuerlich-bittere Note. Am zweiten Tag einer Wanderung in Labrador fanden wir ein ganzes Feld davon. Neufundland und Labrador, ein einzigartiger Fleck mit besonderen Menschen. Ein paar Einmachgläser sind natürlich direkt ins Gepäck gewandert.

Wir sind Tatjana und Martin und wir wollen dazu beitragen, dass auch andere die atemberaubenden Seiten unserer Erde erkunden wollen, vor allem aber können. Wir reduzieren unseren ökologischen Fußabdruck während wir reisen. Wir inspirieren, um die Welt zu verändern. Anders zu reisen, anders zu denken und letztendlich anders zu sein.

  1. Ich lebe nicht vegan, aber ich gebe zu: mit Fleisch oder Fisch im Ausland habe ich so manchmal meine Probleme. Ich bin da immer etwa skeptisch bzw. habe eine sehr geringe „Ekel“-Grenze.
    Da hätte ich auch lieber den Pie gehabt. 😉

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