Ireland Rock of Cashel

Irland: Von Geistern, Feen und alten Steinen

Der Rock of Cashel im Tipperary County

Die Sonne stiehlt sich zwischen den Blättern einer Eiche hindurch, als ich aus dem Bus steige, und blendet mich. Es ist wirklich erstaunlich gutes Wetter, viel besser als ich es für Irland im September erwarten würde. Das ist super, denn mein heutiges Ziel ist bei strahlend blauem Himmel einfach so viel schöner, wenn auch vielleicht nicht ganz so geheimnisvoll wie bei Nebel und Sprühregen.
Auch unser Guide Marguerite ist begeistert und kramt in ihrer Handtasche nach der ausgefallensten Sonnenbrille, die ich bis dato gesehen habe, setzt sie auf und holt ihren Schirm heraus. Ein sicheres Zeichen dafür, dass es gleich losgeht.

Vom Teufel ausgespuckt

Ich schaue nach links. In einiger Entfernung erhebt sich der Rock of Cashel, ein Wahrzeichen irischer Geschichte und Hort von Geistern, Feen und anderen übernatürlichen Wesen – zumindest wenn man den Legenden glauben will. Klar, werden sich jetzt einige denken, spielt sie die Mystik Karte in ihrem Irland Artikel aus. War ja abzusehen.
Aber wenn es sich irgendwo wirklich anbietet, dann hier. Denn den Rock of Cashel umwehen viele Geschichten. Schon die Entstehung wird auf eine solche Märe zurückgeführt: So soll der Teufel höchstselbst den Gesteinsbrocken ausgespuckt haben, auf dem die Ruine bis heute steht, und zwar als er sah, dass der heilige St. Patrick dabei war, in der Umgebung eine Kirche zu erbauen.
St. Patrick scheint auch über diese Gründungslegende hinaus in Zusammenhang mit dem Rock of Cashel gern gesehen zu sein: So besagt eine andere Mär, dass der Heilige König Aengus an besagtem Ort getauft und St. Patrick währenddessen ausversehen seinen Bischofsstab in den Fuß des Königs gerammt haben soll. Weil Aengus das für einen Teil der Taufzeremonie hielt, soll er bis zum Schluss nichts gesagt und den Schmerz ertragen haben. Armer Mann.

Auf zur Ruine

Als auch die letzten aus dem Bus ausgestiegen sind, machen wir uns auf zur Ruine, die majestätisch auf dem Berg thront. Wir laufen die Straße bis ganz zum Schluss und es ist viel steiler als ich gedacht hätte. Oben angekommen bin ich beeindruckt von dem großen Rundturm, der sofort ins Auge fällt, weil er aussieht, als könnte Rapunzel jeden Moment ihr Haar aus dem Fenster dicht unter der Turmspitze herunterlassen. Vielleicht gibt es ja auch einen Brunnen mit Frosch?

Der Turm ist gleichzeitig das älteste Gebäude der noch erhaltenen Ruinen, erzählt uns Marguerite und bevor wir zu viele Fragen stellen können, strebt sie auch schon auf einen großen Stein zu, der direkt vor der Ruine steht. Das, erklärt sie uns, ist das St. Patrick Kreuz. Es stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und erinnert, weil es so verwittert ist, nur noch entfernt an ein wirkliches Kreuz.

Geister und Feen

Ich entferne mich ein Stück von der Gruppe, während ein Mann Marguerite in ein Gespräch über das Alter des Kreuzes verwickelt, und steige die Treppenstufen zum Eingang der alten Kirche hinauf. Drinnen herrscht ein mystisches Zwielicht und ich bin ganz allein. Meine Gruppe steht immer noch vor dem Kreuz, die anderen wenigen Touristen haben sich über das Gelände verteilt. Das Sonnenlicht malt kleine Flecken auf den Boden, während ich mich Stück für Stück weiter in den Raum wage. Meine Schritte knirschen auf dem Kies. Es ist ganz still, nur die Stimme von Marguerite, die immer noch über das Kreuz spricht, wird vom Wind durch das Gemäuer getragen.

Wenn jetzt eine Fee auf meiner Schulter landen würde, würde mich das kein bisschen wundern. Oder ein Geist. Oder so. Ich muss an Harry Potter denken und daran, dass Hogwarts für die Muggel wie eine Schlossruine aussieht. Vielleicht stehe ich ja gerade jetzt in der Zaubererschule? Dass diese laut Rowling eine Insel weiter stehen soll, ist mir in diesem Moment egal.

Irgendwer latscht laut pfeifend an mir vorbei und zerstört die Stille ruckartig. Fotoapparate klicken. Die Realität hat mich wieder.

Wir sehen uns den Rest der Ruine an und auch den Friedhof. Von dort aus ist der Rundturm noch viel besser zu sehen und auch die wunderschöne irische Landschaft. Ich sehe Kühe auf den Weiden stehen, das saftige Gras und niedrige Steinmauern, die Felder voneinander trennen. Und ich kann hier und jetzt ganz genau verstehen, wieso so viele von der grünen Insel schwärmen. Denn auch mich wird sie irgendwann ganz bestimmt noch einmal wiedersehen.

Wart ihr schon einmal in Irland? Was hat euch besonders gefallen? Schon mal eine Begegnung mit einer Fee gehabt?

  1. Sieht dort echt super aus 🙂
    In Irland war ich leider noch nie

    • Danke für deinen Kommentar! 🙂 Ja, das Tipperary County ist wirklich wunderschön, auch abseits der Touristenpfade. Wenn du irgendwann mal die Gelegenheit haben solltest, hinzufahren, kann ich es dir nur empfehlen. 🙂

      Herzlich,
      Anna

  2. Pingback: Städtetrips für den August - Die Gradwanderung

  3. Irland ist wirklich toll, da hat man wirklich ständig das gefühl, das einem gleich ein kobold entgegenspringt 😉 Zum rock of cashel hab ichs leider nicht geschafft, aber sieht echt beeindruckend aus!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 + 6 =

%d Bloggern gefällt das: