Grönland: Wenn verrückte Jugendträume wahr werden

Heute lest ihr den wunderbaren Gastartikel von Nicole, die sich ihren Traum erfüllt und die Eisinsel Grönland mit all ihren Wundern besucht hat. Vielen Dank für deinen träumerisch-sehnsuchtsvollen Bericht!

Die meisten kleinen Mädchen träumen sicher davon Prinzessin zu werden. Werden sie älter und wächst das Verständnis für den Begriff „Arbeit“, wandelt sich der Krönchen Traum in eine gut sitzende Uniform: Tierärztin, Polizistin – Hauptsache Heldin.
Als ich in diesem fiesen pubertären Alter war, in dem ich die komplette Welt inklusive meiner eigenen Person doof fand, sah mein Berufswunsch etwas anders aus. Beeindruckt von diversen Dokumentationen, träumte ich davon, später an dem Ort zu arbeiten, wo es noch Neues zu finden gab: dem Meer.
Die Tatsache, dass im tiefen dunklen Wasser noch so viele kaum erforschte Arten lebten, vor allem aber auch Wale durch die Weiten schwammen, hatte in mir den Wunsch geweckt Meeresbiologin zu werden. Ich sah mich mit einer Forschungscrew auf einem Boot sitzen, die Fluken wandernder Wale fotografieren und vergleichen, von Zeit zu Zeit auf Tauchgang gehen und mir Namen für neu Entdeckte Fischarten ausdenken.
Doch dann platzte die Blase.

Realität vs. Wunsch

Es war der Moment, in dem mir mein Vater sagte, dass man um Meeresbiologie studieren zu müssen, schon etwas weiter weg müsste. Denn in Berlin gäbe es ja nun schließlich kein Meer. Und überhaupt würde man mit diesem Beruf doch nicht wirklich Geld verdienen.
Krach. Ich knallte auf den Boden der Tatsachen.
Klar, auch im Jugendalter wusste ich, dass meine Heimatstadt nicht am Meer lag. Doch irgendwie hatte ich die Notwendigkeit eines Umzuges für ein Studium vollkommen verdrängt und eines war sicher: von Berlin weg, nee, das wollte ich nicht.

Das war der Moment, in dem ich meinen Traumberuf aufgab.

Doch etwas blieb und zwar die Faszination für das Meer und vor allem für Wale. Denn deren Größe und Gestalt empfand ich auch weiterhin als unfassbar bewundernswert. Und mit diesem speziellem Interesse schlich sich mit jeder geschauten Doku auch die Sehnsucht nach einem speziellen Land ein: der größten Insel der Welt, dem eisigen Grönland. Frage mich nicht, was ich damals genau geschaut hatte, aber irgendwie brannte sich ausgerechnet Grönland als DAS Land der Wale in mein Hirn ein. Außerdem scheiterte meine Fantasie jedes mal daran, sich auszumalen, wie ein Land aussieht, dass zu größten Teilen aus Eis besteht gepaart mit einer kargen moosbewachsenen Landschaft.

Sehnsuchtsort Grönland

So wurde dieses bizarre Land im Laufe der Zeit zu meinem Sehnsuchtsort. Einmal im Leben würde ich nach Grönland wollen, einmal die unendlichen Eisflächen mit eigenen Augen sehen, einmal den Walen ganz nah kommen, mich einmal so richtig weit weg von zu Hause fühlen.
Was macht man nun mit so großen Wünschen? Sich in Tagträumen ihrer Erfüllung nähern und immer wieder murmeln „irgendwann einmal“?
Nein. Große Wünsche muss man sich erfüllen.
Klar ist das manchmal eine Challenge, weil die wirklich besonderen Begehren ja selten einfach zu haben sind. Doch nichts ist unmöglich, richtig? Also eben: Step by step.
In meinem Fall stand Grönland laaaange Zeit einfach nur auf der Wunschliste, bis ich in die Planung für mein Sabbatical ging und überlegte, welche wohl die glitzernd strahlende Abschlussreise sein könnte. Na und dreimal kannst du raten. Klar: Grönland!
Es war einfach an der Zeit diese Fantasie dem Realitätstest zu unterziehen.

Planung und Vorbereitung

Die Entscheidung stand fest. Es folgten das Studieren des Reiseführers, eine tagelange Planung der Route, die aufwändige Buchung von Flügen und Unterkünften sowie schlussendlich das Grönlandwetter gerechte Backpack packen.
Und dann war der Tag gekommen. Ich saß im Flieger, Dänemark hatten wir hinter uns gelassen. Eine Weile war nichts als das Meer zu sehen. Und mit einem Mal tauchte sie auf: eine endlose Eisfläche. So hell, so grell reflektierend, dass der Blick aus dem Fenster fast zu anstrengend für die Augen war. Irre. Weit und breit, nichts als Eis. Grönland, so sieht Grönland von oben aus.

Mein Herz schlug höher und ein Gefühl schlich sich ein. Dieses Kribbeln, wenn du einfach weißt, dass du kurz vor einem Abenteuer stehst. Das merkst du einfach.

Ich lehnte mich zurück und grinste bis zur Landung beseelt vor mich hin.
Kangerlussuaq. Das ist der schwer aussprechbare Name der ersten von sechs Stationen, auf meiner Grönland Reise. Ein aufgrund seiner Lage extrem wetterbeständiger Ort, dessen Entstehung vor allem der Amerikanischen Luftflotte im zweiten Weltkrieg zu verdanken ist. Die haben dort mitten ins Nichts einen Flughafen gebaut, um auf dem Weg nach Europa zwischen zu landen. Mit dem Flughafen kam auch ein wenig Infrastruktur, also ein paar geteerte Straßen und oben drauf ein paar Kasernen. Fertig war der Ort. Und genau so sieht es auch heute noch aus. In der Mitte der Flughafen, drum herum ein paar zu Herbergen umfunktionierte alte Armeegebäude, ein Supermarkt und ein Museum über die Zeit der militärischen Nutzung des Ortes. Nicht besonders spektakulär. Dennoch lohnt es sich, hier ein paar Nächte zu bleiben.

Wanderung zum Inlandeis

Das Inlandeis ist der Grund. Das kann man mit einer ordentlichen Wanderung oder einfacher bei einer motorisierten Tour entdecken. Schon irre, selbst auf den Ausläufen der riesigen Eisfläche zu stehen. Genau so beeindruckend, wie die Sichtung von Moschusochsen, die im Gebiet um Kangerlussuaq frei leben. Garantiert ist die nicht, aber die Chancen stehen gut. Wale hingegen, die gibt es in diesem Gebiet nicht. Macht nichts, Kangerlussuaq war ja nur einer von vielen Stopps auf meiner Grönlandreise. In den folgenden drei Wochen Grönland, sammelte ich viele Eindrücke.

Ich erlebte den Kontrast zwischen der langweiligen Einöde im 120 Einwohner Narsarsuaq und der immerhin 16.000 Einwohner starken Hauptstadt Nuuk.

Langes Warten auf Propellermaschinen, die wegen Starknebels nicht landen können, ist so normal, wie Supermärkte, in denen es so gut wie kein Obst oder Gemüse zu kaufen gibt. Da kostet der einzige Salatkopf gern schon einmal zehn Euro. Robben- sowie Walfleisch liegen hingegen ständig verhältnismäßig günstig in der Tiefkühltruhe. Mein Grönlandbild ist aber auch von vielen kleinen farbig gestrichenen Holzhäuschen geprägt, vor deren Türen Schlitten stehen und Felle trocknen. Romantisch bleiben mir auch die rauen Küsten und Häfen voller kleiner Fischerboote im Gedächtnis. Der Staub vom Wandern durch karge trockene Landschaften klebt förmlich noch an meinen Schuhen und wenn ich die Augen schließe kann ich sogar noch die Kälte spüren, welche einem entgegenkommt, wenn man den langen Holzsteg über die moosige Ebene in Ilulissat hin zum wunderschönen Eisfjord läuft. Grönland, hat mich nicht enttäuscht. Es ist so anders, als ich dachte und dabei zeitgleich so besonders, wie ich es mir erhofft hatte.

Und dann war da noch die Sache mit dem Jugendtraum

So schön Grönland auch landschaftlich war, ich wollte nicht gehen, ohne den Versuch mir diese Sehnsucht zu erfüllen. Deshalb ging es an den Ort, der am meisten Wale versprach: Qeqertarsuaq. Auch Disko Insel genannt. Im Frühling ist der Grönlandwal in der Region und im Sommer ziehen die Buckelwale vorbei.
Das kann man sogar von der Küste aus beobachten. Ich habe das sogar von der Küste aus beobachtet. Ja, ich habe es gesehen. Beim ersten Spaziergang durch den Ort, entlang der Küste. Da sichtete ich sie und konnte es gar nicht fassen.
Die Fontänen der Wale, auch Blas genannt, ihre bogenartige Schwimmweise, wenn sie die Wasseroberfläche zum Luftholen streifen, ihre Fluke, wenn sie sich zum Tauchgang verabschieden – zusammen ergibt das einen ganz eigenen Rhythmus. Immer wieder habe ich dieses Schauspiel beobachtet, mit bloßem Auge. An der Küste der 500 Einwohner Insel im Westen Grönlands, 3.800 km von zu Hause entfernt.

Dort, wo die Schlittenhunde heulen und ein paar wenige Fischerboote neben den gigantischen Eisbrocken auf dem Meer treiben. Eine irre Kulisse, ein atemberaubendes Bild.

Gänsehaut ist eine lächerliche Untertreibung. Ehrfurcht, Dankbarkeit, Kopfschütteln, pure Freude, beschreibt es vielleicht ein wenig. Doch so richtig kann ich es eben nicht in Worte fassen. Es war mein ganz persönlicher großer Traum und jetzt ist er erfüllt. Und so schön Fotos auch sind, sie kommen nicht an die Realität ran. Wenn ich die Augen schließe, dann kann ich mich zurückversetzen und damit habe ich meinen Sehnsuchtsort ab jetzt immer ein bisschen bei mir.

Nicole ist eine 29 Jährige Reisesüchtige, die euch in Artikeln auf ihrem Blog Passenger-X und in vielen coolen Videos auf ihre Entdeckungsreisen mitnimmt. Authentisch, ehrlich und direkt aus dem Leben. Besucht sie doch einmal und geht mit ihr auf Abenteuer Tour, ob in ihrer heimischen Küche, in Berlin oder draußen in der großen weiten Welt. Entdeckt mit ihr das pulsierende Tokio, geht mit ihr im Grindelwald paragliden oder schweift mit ihr durch Paris. Und verpasst nicht, euch die richtig schönen Bilder auf ihrem Instagram Account anzuschauen – zum davon träumen!

  1. Liebe Nicole,
    Du beschreibst in etwa meine Jugend, bzw. ich hab gedacht „hey, so war das bei mir auch“. Mir haben es allerdings mehr die Orcas angetan und auf diese wollte ich mich im Studium konzentrieren. Blöd nur, dass ich in der neunten Klasse erfuhr welche Leistungskurse ich außer Bio noch im Abi haben müsste, um Meeresbiologie studieren zu können. Und doof, dass ich damals mit diesen Fächern schon Probleme hatte. So wurde es dann eben auch bei mir ein Traum, den ich mir, zum Teil, auch schon erfüllt habe. Aber es waren eben noch keine Orcas dabei. Ich kenne dieses Gefühl, als die Wale erstmalig auftauchten, ganz genau. 🙂 Du beschreibst diesen Moment einfach ganz wundervoll, danke!
    Viele liebe Grüße
    Anna

    • Ich finde das Meer auch schon immer faszinierend – hatte aber den Vorteil, dass ich es quasi vor der Haustür habe.

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