Zeche Zollverein

Zeche Zollverein fotogen [Anzeige]

Ein 2-Tages-Fotoworkshop mit CEWE in Essen

Um den Ruhrpott habe ich bisher immer einen großen Bogen gemacht. Und das noch nicht mal absichtlich, damit wir uns nicht falsch verstehen. Irgendwie hat es sich einfach nur nie ergeben. Durch die Einladung von CEWE zu einem zweitägigen Fotoworkshop nach Essen hat sich das aber nun geändert.
Mit dem Ruhrpott (und ja, Essen gehört für mich als Nordlicht eindeutig dazu; berichtigt mich, wenn das nicht stimmen sollte) habe ich bisher immer Industrie verbunden – in welcher Form auch immer. Bestimmt hat der Pott auch andere Vorzüge, aber als ich erfuhr, dass die Reise in die Zeche Zollverein, UNESCO Weltkulturerbe und Architektur- und Industriedenkmal, gehen sollte, war ich erst mal glücklich. Denn: Alte Industrieanlagen sind tolle Motive; und diese unter professioneller Anleitung zwei Tage zu entdecken würde mit Sicherheit ziemlich viel Spaß machen.
Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Die Zeche von außen

Direkt nach der Anreise ging es zum ersten Beschnuppern auf vier Rädern im E-Bus quer über das Gelände der Zeche. Von innen haben wir an diesem Tag zwar noch nichts gesehen, aber das Außen war schon beeindruckend genug. Allein die Kokerei mit ihren riesigen Öfen und die Eisbahn mit den Schornsteinen und dem reflektierenden Wasser mussten sofort fotografiert werden. Aber auch neben den ins Auge stechenden großen Anlagen, haben ebenso viele kleine Spots gelockt, zum Beispiel der wilde Hopfen, der sich an rostigen Zäunen empor gerankt und ziemlich deutlich gemacht hat, dass die ehemalige Industrieanlage langsam aber sicher von der Natur zurückerobert wird.

Zum Glück hatten wir für das Entdecken dieser kleinen und großen Details immer genug Zeit, denn es wurden einige Fotostopps eingelegt, auf denen die rund 15 Fotoenthusiasten an der langen Leine die Umgebung erkunden konnten.
Auch über die Geschichte und Funktionsweise der Zeche haben wir an diesem ersten Tag viel erfahren – so wurde die Zeche 1986 stillgelegt, die Kokerei hingegen noch bis 1993 weiterbetrieben. Auch heute noch sind zwei Schächte der Zeche für die Wasserhaltung zuständig, also um zu verhindern, dass Grubenwasser eindringt. Beendet wurde der Tag mit einem Vortrag über die Theorie der Fotografie.

Auf in die Hallen

Der nächste Morgen begann im Nebel, doch das sollte uns nicht aufhalten, eher im Gegenteil: Solche Bilder können ihren ganz eigenen Charme haben und so wurde noch schnell das ein oder andere Foto geschossen, bevor es losging. Denn heute sollten wir die Zeche Zollverein von innen kennenlernen und so verabschiedeten wir uns von Nebel und kühler Morgenluft und drangen in den Bauch der Industrieanlage ein.

Was wir am Tag zuvor noch von außen fotografiert hatten, offenbarte nun von innen ein noch größeres Detailreichtum und wer hier keine Motive gefunden hätte, dem wäre auch nicht mehr zu helfen gewesen. Wir entdeckten also eine Halle nach der anderen, in denen Werkzeug, Loren auf Schienen, Kaffeebecher oder Schutzhelme so zurückgelassen worden waren, als ob sie jeden Moment wieder gebraucht werden könnten.

Die Hallen waren teilweise so groß und verwinkelt, dass ich auf der Suche nach dem nächsten Motiv fast die Gruppe aus den Augen verloren hätte. Dann allein, ohne das Klicken der anderen Kameras, mitten in einem verwaisten Gebäude zu stehen und nur das gelegentliche Tropfen von Regenwasser zu hören, das durch irgendeine Ritze eingedrungen war, war fast schon gespenstisch und ich war sehr froh, wenn jemand mit seinem Stativ um die Ecke bog und ich wieder Gesellschaft hatte.

Nach der Führung in der Zeche, dem Vortrag eines ehemaligen Steigers, also eines Bergmannes, und einem Experiment mit Seifenblasen vor Industriegebäuden (wer sich dafür interessiert: ich habe so viele Fotos gemacht, dass ich mich entschlossen habe, die Beiträge zu splitten; deshalb wird es demnächst noch einen zweiten, reinen Foto-Post geben), haben wir dann die Kokerei besucht. Auch hier gab es unendlich viele Motive, am meisten in meine Erinnerung eingebrannt hat sich aber das Panorama vom Dach des Gebäudes aus quer über die Eisbahn. Trotz latenter Höhenangst (bei dem Gedanken daran wird mir immer noch ganz kribbelig), musste ich davon einfach ein schönes Bild machen. Also nicht nach unten geguckt, Zähne zusammengebissen, und los ging’s.

Auf dem Rückweg an den Öfen vorbei haben wir den Geschichten unseres Guides über Notfallpläne, Unglücke und Arbeitsbedingungen in der Kokerei gelauscht und ich bin zu dem Schluss gekommen: Jedem, der diesen Job macht (oder gemacht hat), zolle ich meinen Respekt.

Zurück im Hotel wurde dann das Lichtschreiben- und malen im Garten nachgeholt, das wegen des Wetters am Abend zuvor leider ausfallen musste. Das hieß: Knöpfe kennen, den Automatik Modus verlassen und experimentieren! Heraus kamen dabei viele interessante, aber meist natürlich sehr abstrakte Bilder. Am besten hat mir das hier gefallen:

Fazit

Es waren tolle zwei Tage! Super organisiert, tolles Team und sehr nette Gruppe. Ich habe viel gelernt, vor allem, dass es ohne den Automatik Modus manchmal viel besser geht (auch wenn ich den auf Reisen sehr gerne benutze, Asche über mein Haupt, aber wenn ich auf der Brooklyn Bridge erst mal mein Stativ aufgebaut hätte, hätten mich die Fahrradfahrer massakriert, ehrlich).
Nichtsdestotrotz: Ich gelobe Besserung. Und dass mein Bild am Abreisetag bei der Auswahl des besten Fotos auf Platz 1 gevotet wurde, hat mir den Workshop natürlich noch einmal zusätzlich versüßt. 😉

[Anzeige] Herzlichen Dank an CEWE für die Einladung. Trotz Übernahme der Kosten spiegelt dieser Text allein meine persönliche Meinung wider. Die Bilder sind ebenfalls von mir.

  1. Hallo Anna,

    schöner Bericht über den „Pott“, meiner alten Heimat. Mit solchen tollen Bildern sieht es sogar schön grün aus 🙂

    Grüsse aus München

    Birgitta

    • Hallo Birgitta,

      ich habe Essen aber auch außerhalb der Zeche als sehr grün empfunden. Ist das untypisch? 🙂

      Vielen Dank für deinen Kommentar!

      Herzlich,
      Anna

  2. das mit den tollen Bildern kann ich nur zurückgeben 🙂 Industriekultur hat doch schon was für sich
    und wenn du in die Bretagne fahren möchtest, solltest du das auf jeden Fall machen, wenn du ein paar einfach Sätze zum einkaufen, essen gehen usw. beherrschst sollte das ausreichen, Englisch ist zwar nicht so sehr verbreitet, aber ich komme dort auch mit meinem einfachen Französisch zurecht
    lg
    Melli

    • Dankeschön! 🙂

      Gut zu wissen. 🙂 Dann werde ich meine Französisch Kenntnisse um einige Sätze erweitern und endlich Richtung Saint Michel aufbrechen.

  3. Liebe Anna !

    Über den BloKoDe habe ich deinen wunderbaren Blog entdeckt – bei diesem Beitrag bin ich sofort hängen geblieben. Eine Studienkollegin von mir verfasst zur Zeche Zollverein eine Masterarbeit, wodurch ich die Zeche schon sehr kennen lernen konnte.

    Tolle Fotos !

    Liebe Grüße
    Alexandra

    • Hallo Alexandra,

      vielen Dank! Ja, die Zeche war für mich absolutes Neuland, weil ich vorher noch nie so recht im Pott unterwegs gewesen bin (einmal Neuss zählt da nicht, finde ich) und die Industriekultur hat meinem Fotografieherz schon sehr gut gefallen. 🙂

      Herzlich
      Anna

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