Diamond Head Hike: Wandern zum schönsten Blick über Honolulu

Die Sonne knallt vom Himmel, gefühlt sind es mindestens vierzig Grad. Im Schatten. Und nein: Ich übertreibe nicht.
Ich stehe auf der bekanntesten Insel Hawaiis, auf dem Parkplatz vor der 232 Meter hohen Tuffsteinformation, die gleichzeitig das Wahrzeichen der hawaiianischen Hauptstadt Honolulu ist: Dem Diamond Head. Es ist Mittag und ich verfluche meine Idee ausgerechnet heute und jetzt wandern gehen zu wollen. Aber wo ich schon mal hier bin, werde ich nicht mehr umdrehen. Ich stecke mein Handy in die Hosentasche und fülle eine Halbliter Flasche Wasser bis unter den Deckel: Los gehts zum schönsten Blick über die Insel und Honolulu.

Diamond Head Hike Honolulu

Durch die Vorhölle zum Fegefeuer

Schon kurz nachdem ich den Parkplatz verlassen habe, weiß ich, dass es eine schlicht und ergreifend dämliche Idee war, die Wanderung ausgerechnet jetzt zu machen. Das liegt daran, dass die Sonne senkrecht von oben auf meine Schultern brennt und der Weg nach oben durch den Krater führt. Das heißt, dass die Luft um mich herum sich keinen Millimeter bewegt. Es ist so heiß, dass ich fast Schmerzen beim Atmen habe. Kommt dann doch mal ein Windchen auf, fühlt es sich an, als würde man mir mit einem Föhn auf Stufe eins ins Gesicht blasen.
Immerhin bin ich nicht die Einzige, die in einem Anfall von geistiger Umnachtung beschlossen hat, den Diamond Head zu bezwingen: Mit mir quälen sich noch zwei weitere Deutsche den Berg nach oben und weiter vorne sehe ich sogar eine illustre Familie mit nörgelnden Kindern.

Diamond Head Hike Honolulu

Die verdorrte Ebene

Langsam verschwindet das Visitor Center hinter mir und mit ihm der Stand mit einer hawaiianischen Spezialität, die mir mit einem Mal sehr verlockend vorkommt: Shave Ice. Das ist eine aus einem Eisblock gewonnene und mit Geschmack versetzte Nachspeise. Um mich herum ist das Gras schon braun, nur gelegentlich spendet ein Baum Schatten. Ich ertappe mich bei der Frage, ob das bis zum Krater so weitergeht.

Die Treppen des Todes

Irgendwann werden aus dem Weg durch die verdorrte Gras-Ebene dann aber Serpentinen, die mit jedem Meter steiler nach oben führen. Ich gewinne also an Höhe. Das merke ich auch an der Luft, die immer besser wird.
Ich wähne mich fast am Ziel, denn viel weiter nach oben geht es jetzt nicht mehr. Trotzdem kann ich nirgendwo einen Aussichtspunkt entdecken. Und bevor ich weiß, wie mir geschieht, stehe ich vor den steilsten Treppen überhaupt. Ich stöhne innerlich auf, das kleine Mädchen neben mir ist da noch nicht so in Zurückhaltung geübt. Sie beschwert sich lautstark bei ihrem Vater, der mindestens genauso abgekämpft aussieht, wie ich. Wir tauschen einen Blick und ich gehe vor, um es ihm nicht noch schwerer zu machen.

Diamond Head Hike Honolulu

Hinein in die Militäranlage

Die Treppen bis zur Spitze des Diamond Head sind wirklich anstrengend, aber erstaunlich schnell lasse ich sie hinter mir. Oben angekommen wird mein Abenteuergeist geweckt: Anstatt einer Aussichtsplattform erstreckt sich ein dunkler Tunnel vor mir. Ich nehme die Sonnenbrille ab und ziehe den Kopf ein. Denn der Tunnel scheint nicht für große Leute gemacht zu sein. Ohne die Brille sehe ich nicht besonders viel, aber die Familie hinter mir ist auch nicht besonders schnell. Meter für Meter geht es voran, bis ich wieder hinaus ins Tageslicht und vor die nächste Treppe trete. Dieses Mal ist sie noch steiler, wer hätte das gedacht? Ich reiße mich zusammen und bezwinge auch diese letzten Stufen. Immerhin ist es schon eine gute Weile her, dass ich gedacht habe, es kann nicht mehr lange dauern. Dann muss ich dem Ziel jetzt umso näher sein. Hoffe ich zumindest.

Diamond Head Hike Honolulu

Durch das Raumschiff nach draußen

Am Ende der Stufen gehe ich durch einen Gang, der mich fast an ein Bürogebäude erinnert – wäre er nicht an der frischen Luft. Danach eine Wendeltreppe hinauf und schließlich komme ich in so etwas wie einer Kommandozentrale an. Nur ohne die Bildschirme und die Technik. Durch einen schmalen Schlitz blendet mich das gleißende Sonnenlicht und zusammen mit zwei weiteren Leuten krieche ich durch ihn hindurch nach draußen.
Der Blick, der mich empfängt, ist der Wahnsinn. Aber es kommt noch besser: Zwei weitere Treppen und ich stehe auf dem Dach der ehemaligen Militäranlage. Von hier oben lässt sich Honolulu noch viel besser betrachten. Ich genieße nicht nur den Ausblick, sondern auch die frische Luft und denke darüber nach, welchen Zweck die Anlage wohl gehabt haben könnte.

Diamond Head Hike Honolulu

Küstenartillerie und Feuerleitstelle

Erst später lese ich nach, dass der Raum, durch den ich nach draußen gekrochen bin, die ehemalige Feuerleitstelle für mehrere Batterien der Küstenartillerie war. Zwischen 1908 und 1910 erbaut, wurde die Leitstelle vor allem für Karten und Instrumente erschaffen und um die Artillerieschläge koordinieren zu können. Die Leitstelle bestand aus mehreren Ebenen, die jeweils seewärts gewandte Schlitze hatten, um Angreifer identifizieren zu können. Das militärische Erbe der Insel ist also nicht nur auf Pearl Harbor beschränkt, denn Hawaii beherbergt auch heute noch wichtige Stützpunkte des US-Militärs.

Diamond Head Hike Honolulu

Shave Ice zur Belohnung

Ich kann mich zwar nicht an dem Blick auf den Waikiki Beach satt sehen, beschließe aber dennoch irgendwann wieder hinunter zu gehen. Etwa eine halbe Stunde später stehe ich endlich vor dem Shave Ice Stand und belohne mich mit einer nach Zitrone schmeckenden Köstlichkeit für die anstrengende Wanderung. Auch wenn die Mittagszeit vielleicht nicht unbedingt die beste Zeit war, um diese Wanderung zu machen: Wert war sie es auf jeden Fall.

Diamond Head Hike Honolulu

Gewandert Diamond Head Hike
Länge Round Trip: 1,6 Meilen
Dauer ~2 Stunden

  1. Wow, wow, wow… Was für ein Aussicht! Da haben sich die Strapazen ja mehr als gelohnt 🙂
    LG Sonja

  2. Ich habe 2012 die gleiche Wanderung gemacht und hatte sogar das Glück, dass im Hintergrund noch zwei Regenbogen waren – und das an meinem Geburtstag! 🙂 Wir sind allerdings morgens kurz nach Sonnenaufgang hin, waren aber trotzdem klatschnass geschwitzt als wir oben ankamen. Also alle Achtung, wenn ihr später hochgegangen seid! Ich wär gestorben 😉

    • Regenbögen habe ich auf Hawaii leider gar nicht gesehen. Aber ich kann mir vorstellen, dass das echt ein toller Blick war. 🙂

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