Von Rittern, Drachen und Burgfräulein

Die Burg Eltz in der Vordereifel

Es geht bergab. Auf dem Weg zu einer Burg geht es bergab. Ich bin verwirrt, gehe aber weiter – immerhin hat der Parkplatzwächter gesagt, dass das hier der richtige Weg sein soll und die schnatternde Frauengruppe mittleren Alters hinter mir würde auf ihren hohen Hacken bestimmt nicht ohne guten Grund diese Steigung in Kauf nehmen.
Es ist herbstlich bunt und das nasse Laub der Bäume macht den Weg rutschig. Ich war auch nicht viel schlauer als die Frauen und habe Stiefel mit Absatz an. Trotzdem gelingt mir der Abstieg schneller, denn ich will die Burg sehen, auf die ich mich schon lange gefreut habe. Denn Burgen haben mich schon seit meinem ersten Besuch auf der Wartburg als Kind fasziniert.
Es geht um Ecken und Kurven, die Straße windet sich den Hang hinunter, den wir eben erst hochgefahren sind. Und plötzlich tauchen wie aus dem nichts weit unter mir die ersten Zinnen aus dem Meer aus dichtem Herbstwald auf.

Ich gehe noch einige Meter weiter, bis die Burg Eltz, die ich heute als erste von insgesamt fünf Burgen auf meiner Burgentour quer durch Deutschland besuchen werde, in ihrer ganzen Pracht vor mir liegt. Jetzt, wo ich hier stehe und sie mit meinen eigenen Augen sehe, sieht sie noch viel besser aus als auf den Fotos. Ich möchte am liebsten sofort die Gänge und Zimmer erkunden und etwas über die Geschichte dieses einzigartigen Ortes erfahren. Doch bevor ich das kann, muss ich erst noch die letzte Serpentine bewältigen, die mich vom Burgtor trennt.

Als ich es dann durchquere, komme ich mir vor, als hätte man mich von jetzt auf gleich in eine andere Zeit versetzt. Über dem Eingang ist zwar die Zahl 1563 eingraviert, aber die Burg Eltz ist deutlich älter als diese Zahl. Ihre Entstehung ist nämlich auf das 12. Jahrhundert zu datieren, also ins Hochmittelalter. Wie so viele Siedlungen entstand auch die Burg Eltz aus einem einfachen Grund: Dem Handel. Zumindest gehen Historiker heute davon aus, dass sie sich in der Nähe eine Handelsroute befunden haben muss, die das Moselland mit anderen Regionen verbunden hat.

Auf der Burg wohnte, wie uns der Guide erzählt und der Name vermuten lässt, das Geschlecht der Herren von Eltz. Diese teilten sich in drei Stämme auf, die sodann die Burg ebenfalls untereinander aufteilten: Es gab drei Wohnbereiche, die von jeweils einem Familienteil bewohnt wurden. Auch heute noch ist die Burg im Besitz der Familie, in Teilen sogar noch bewohnt, und während wir einen Raum mit vielen Gemälden betreten, die einige Männer des Adelsgeschlechts durch die Jahrhunderte hinweg bis ins Heute zeigen, wird mir noch einmal bewusst, wie alt diese Burg eigentlich ist und wie viel Geschichte in ihr steckt – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Und ich bin froh, dass ich diesen Ort besuchen durfte.

Als wir schließlich aus dem dritten und letzten Wohnbereich wieder hinaus in den Innenhof der Burg treten, fällt mein Blick auf eines der Fenster des bewohnten Teiles der Burg. Ein Mädchen sitzt hinter der milchigen Scheibe und beobachtet unsere Gruppe, die sich über das eben Gesehene austauscht. Ihre Augen sind ganz aufmerksam, kleben an den Gesten eines Mannes, der gerade an seiner Kamera herumhantiert. Ich frage mich unwillkürlich, ob sie hier wohnt, oder genau wie ich nur zu Gast ist und wenn ja, wie das Leben auf so einer Burg heutzutage wohl sein mag. Allein das Internet in diese alten Gemäuer zu holen, stelle ich mir ziemlich schwer vor. Ich habe nämlich nirgendwo Netzmasten gesehen.

Unsere Blicke begegnen sich, ich lächele flüchtig. Dann lenkt eine Schar Krähen meine Aufmerksamkeit für den Bruchteil einer Sekunde ab. Und als ich wieder hinschaue, ist das Mädchen verschwunden. Ich warte noch ein, zwei Minuten, doch sie taucht nicht mehr auf. Ob sie nun zu dieser Burg gehört oder nicht und wie das Leben hier ist, werde ich wohl nie erfahren. Dafür weiß ich aber, dass ich noch einmal zurückkommen werde, denn die Burg Eltz ist im Rückblick auf meine Burgentour mit Abstand der inspirierenste Ort gewesen, den ich besucht habe.

Wie sieht es mit euch aus? Seid ihr schon einmal auf der Burg Eltz gewesen? Was waren eure Eindrücke?

  1. Hallo Anna,
    ich habe diese Burg auch schon besucht und war begeistert!
    Dein Bericht hat richtig Lust gemacht, noch einmal dorthin zu fahren.
    Lieben Gruß
    moni

    • Vielen Dank! Die Burg Eltz hat mich auch sehr fasziniert und ich werde auf jeden Fall noch einmal zurückkommen. 🙂

      Herzlich,
      Anna

  2. Das kann ich mir gut vorstellen, dass man dorthin unbedingt zurück möchte! Diese Burg scheint aus einem Märchenbuch entsprungen zu sein! Und die Geschichte mit dem Mädchen fand ich richtig süß, obwohl ich es ja irgendwie unheimlich fände dort zu wohnen 😉

  3. Wenn ich solche Berichte lese, wundere ich mich immer, was für tolle Ecke es auf der Welt gibt 🙂

  4. Nach unten.. das ist wirklich erst mal ein wenig verwirrend 😀 Aber sieht wirklich traumhaft aus! Kann ich mir gerade mit Schnee richtig großartig vorstellen. Wie in einem Märchen!

    • Ich glaube, die machen da sogar einen Weihnachtsmarkt. Das stelle ich mir auch toll vor. Wenn du die Chance hast, besuche die Burg Eltz auf jeden Fall einmal. Allein schon als Foto Location gibt der Ort wahnsinnig viel her und wenn man sich dann noch für Geschichte oder Wandern interessiert – perfekt. 😉

      Herzlich,
      Anna

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  8. Jetzt wohne ich schon so „nah“ dran, und habe sie erst einmal im Leben besucht.. .schon 1000 mal dran vorbei gefahren.
    Das muss sich jetzt aber mal ändern… muss ich unbedingt nochmal hin!
    LG Annette

    • Die Burg Eltz ist wirklich wunderschön gewesen; ich würde auch gerne in der Nähe von so vielen schönen Burgen wohnen. 🙂

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