Vom Heimkommen und vom Ausziehen

Was ich nach einer Reise mache, um nicht im Fernweh-Blues zu versinken

Ariane von Heldenwetter hat in ihrer Blogparade dazu aufgerufen, vom Heimkommen zu erzählen. Gerade für Reiseblogger und Fernwehgeplagte ist das ein absolut spannendes Thema und ich nehme sehr gerne (wenn auch auf den letzten Drücker) daran teil. Auch Lynn von Lieschenradieschen-reist hat an der Blogparade teilgenommen und einen tollen Artikel dazu geschrieben. Schaut doch bei Gelegenheit auch einmal bei ihr vorbei. 🙂

So. Heimkommen. Ich musste erst mal überlegen, was heimkommen für mich eigentlich heißt. Immerhin gibt es ja mein Zuhause, den Ort an dem ich zur Uni gehe und studiere, und meine Heimat – wo meine Familie wohnt, wo ich Sandkastenfreunde habe, wo ich aufgewachsen bin. Was also bedeutet Heimat? Und was ist es für mich?
Ich habe einen Moment in mich hineingehorcht und auch wenn ich meinen Studienort in den ersten Monaten ganz furchtbar grau und unfreundlich fand (das ist jetzt auch schon mehrere Jahre her, wie ich gerade mit Schrecken feststelle), muss ich gestehen: Heimat ist inzwischen beides. Sowohl der Ort, an den ich gezogen bin, als auch der Ort, an dem ich geboren wurde. Liegt vielleicht auch daran, dass beides nicht wirklich weit voneinander entfernt ist und man sich sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen mit „Moin, Moin“ begrüßt.
Aber egal. Darum geht’s ja nicht. Sondern ums Reisen.

Was tue ich also, wie fühle ich mich, wenn ich unterwegs war? Um ehrlich zu sein gibt es dafür gar keine allgemeingültige Antwort. Vielmehr kommt es auf die Reise an, die ich unternommen habe. Auf die Dauer. Und auf die Menschen, die mich begleitet haben. All diese Faktoren lassen mich eine Reise mehr oder weniger vermissen und tragen dazu bei, ob ich gleich wieder los will oder erst mal einen Moment der Ruhe in meinen eigenen vier Wänden benötige, um die Erlebnisse zu verdauen.
Man würde ja meinen eine tolle Reise mit unglaublich vielen Eindrücken würde dazu führen, dass ich mich, nachdem der Koffer im Flur abgestellt wurde, das verknickte Flugticket auf dem Küchentisch gelandet ist und sich ein neuer Kühlschrankmagnet zu den anderen gesellt hat (ja, ich sammle Kühlschrankmagneten, fragt nicht), erst einmal auf die Couch lege und darüber nachdenke.
Aber nein. So ist es nicht. Ganz im Gegenteil: Eine gute Reise, die mich prägt und an die ich noch lange gerne zurückdenke, führt dazu, dass ich mich sofort in die Planung für den nächsten Trip stürze – Energie geladen und sehr emsig (was häufig zu Kopfschütteln führt). Es ist, als ob mich die Ereignisse quasi dazu animieren, sofort nach den nächsten zu suchen. Teilweise träume ich schon von der nächsten Reise, wenn ich noch im Hotelbett liege. Und das tue ich nicht, weil ich in diesem Moment irgendwie unglücklich mit der Situation wäre.

Wenn die Reise aber aus irgendwelchen Gründen extrem anstrengend und blöd war und ich das Gefühl habe, außer furchtbar viel Stress eigentlich nicht wirklich viel mitgenommen zu haben, dann brauche ich diesen Moment der Ruhe. Dann bin ich froh, wenn ich meinen Koffer im Flur abstellen, das verknickte Flugticket auf dem Küchentisch ablegen kann und den Magnet irgendwann später anbringe. Dann denke ich darüber nach, wieso diese Reise nicht das Gelbe vom Ei war, was mich gestört hat, woran es lag, und habe deshalb wenig Lust gleich wieder loszuziehen.
Heimkommen hängt für mich also immer von der Reise ab, die ich unternommen habe und die innere Leere, die mich nach einer Reise überfällt, ist dementsprechend mehr oder weniger stark ausgeprägt. Meine Vermeidungsstrategien sind daher, wie schon angedeutet, das Planen der nächsten Reise, die geistige Beschäftigung mit der nächsten Destination und nicht zuletzt ein sehr wichtiger Teil: Ich beschäftige mich mit dem Bloggen.
Denn wenn ich gerade nicht unterwegs bin, hilft mir das Schreiben über meine Reisen enorm dabei, die innere Ungeduld in Schach zu halten. Und wenn es ganz schlimm wird, fahre ich zum Flughafen und beobachte die Maschinen. Aber das ist bisher nur einmal vorgekommen. 😉

Es stimmt also: Ich habe Fernweh und Vermeidungsstrategien für den Post-Travel-Blues, ich bin unglaublich gerne unterwegs, Reisen ist ein Teil von mir. Aber, und das finde ich genauso wichtig, ich komme ebenso gerne wieder nach Hause und genieße die Tatsache, dass ich jede Straße, jeden Winkel meines Stadtteils kenne, treffe Freunde und Familie.

Heimkommen heißt für mich deshalb nicht nur, dass die Reise zu Ende ist, sondern gleichzeitig auch, dass die nächste nicht weit entfernt sein wird. Und so lange verbringe ich gerne Zeit in einer vertrauten Umgebung, denn so sehr man auch glaubt diese in und auswendig zu kennen: Es gibt immer wieder neues zu entdecken.

Vielen Dank für das schöne Thema!
Was macht ihr, wenn ihr nach einer Reise zurück nach Hause kommt? Habt ihr auch den Post-Travel-Blues? Oder genießt ihr die heimische Couch? Schreibt mir in den Kommentaren oder bei Twitter / Facebook eure Meinung zum Thema. 🙂

  1. ein schöner beitrag zur blogparade. ich hab da auch gern dran teilgenommen. und allgemein geht es mir ähnlich wie dir. wenn ich heimkomme und es war toll, hilft das planen der nächsten möglichen reisen am meisten, das verbloggen der bilder, das träumen. und manchmal ist auch wieder-da-sein einfach schön.

    • Hallo Paleica,

      danke für deinen Kommentar und gut zu wissen, dass es mir nicht allein so geht. 🙂 Ich fand deinen Beitrag auch toll und habe ihn mir gerne durchgelesen – genauso wie die vielen anderen.

      Herzlich,
      Anna

  2. Pingback: Blogparade "Vom Heimkommen": Eure Beiträge - heldenwetter

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